Aktuelle Ausgabe
2012-20

Bei der Vorbereitung auf die Firmung spielen die Katecheten eine zentrale Rolle

„Die Entscheidung für das Sakrament wird bewusster getroffen“

Stephan Winzek ist 55 Jahre alt und Diplom-Theologe. Er ist seit 1994 Leiter des Referates Sakramentenpastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn. Vorher war er in Meschede als Regionalbildungsreferent tätig. Winzek ist in seiner Heimatgemeinde in Salzkotten-Upsprunge ehrenamtlich in der Firmvorbereitung aktiv.

Stephan Winzek leitet die Abteilung Sakramentenpastoral im Erzbischöflichen Generalvikariat. In seinem Gastbeitrag legt er dar, welche wichtige Rolle die Firmvorbereitung heute spielt. Dabei macht der Diplom-Theologe auch deutlich, dass der Schlüssel für eine gute Vorbereitung bei den Firmkatecheten liegt.

von Stephan Winzek

Kaum ein Bereich der Sakramentenpastoral hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so deutlich verändert wie die Firmvorbereitung. Hatte die Würzburger Synode 1974 noch als Mindestalter für die Firmung das 12. Lebensjahr empfohlen, so sind heute Firmbewerber deutlich älter. In vielen Teilen des Erzbis­tums liegt die untere Altersgrenze bei 15 oder 16 Jahren. Auch 17- oder 18-Jährige sind keine Ausnahme mehr.
Das höhere Firmalter führt dazu, dass die Entscheidung für das Firmsakrament bewusster getroffen wird. Damit wächst auch die Zahl derer, die die Einladung zur Firmvorbereitung nicht annehmen: rund 30 Prozent der Erstkommunionkinder lassen sich bei uns im Jugendalter nicht firmen.
Darin steckt eine interessante Herausforderung: Wer sich als Jugendlicher nicht firmen lässt, stellt sich vielleicht im Erwachsenenalter die Frage nach der Firmung. Die steigenden Teilnehmerzahlen bei den diözesanen Feiern der Erwachsenenfirmung belegen dies.
Es gilt daher, auch Erwachsene zur Firmung einzuladen und ihnen altersgemäße Angebote zur Vorbereitung zu machen. Dies wäre gleichzeitig ein wichtiges Signal auch für die Jugendlichen: „Wenn du dich jetzt nicht firmen lässt, ist nicht alles zu spät – die Tür bleibt offen!“
Wer vor 40 oder 50 Jahren gefirmt wurde, ist für gewöhnlich in der Schule vorbereitet worden. Heute ist die Kirchengemeinde der klassische Ort der Firmvorbereitung. Wo es noch möglich ist, begleitet der Religionsunterricht dabei die gemeindliche Firm-Katechese. Zunehmend aber stößt die Gemeindekatechese an ihre Grenzen. Es nimmt nicht nur die Zahl der Firmkatechetinnen und Firmkatecheten ab, auch die Lebenssituationen der Jugendlichen sind immer differenzierter, dies erschwert eine Firmvorbereitung nach einem einheitlichen Muster.
Nötig sind daher unterschiedliche „Orte“ und differenzierte Wege der Firmvorbereitung. Einige Beispiele: Religionslehrerinnen am Hönne-Berufskolleg in Menden bereiten immer wieder junge Leute auf die Teilnahme an der Erwachsenenfirmung vor. Sie können dabei gut auf die Belange der Auszubildenden eingehen. Weihbischof Hubert Berenbrinker hat kürzlich neun Jugendliche der Schule am Teutoburger Wald in Horn-Bad Meinberg gefirmt. Mit großer Vorfreude hatten sich die Jugendlichen der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung seit Beginn des Jahres auf die Firmfeier vorbereitet. Eine der „Jungen Kirchen“ plant eine spezielle Firmvorbereitung für Schülerinnen und Schüler, die während der regulären Firmvorbereitung für längere Zeit im Ausland sein werden.
Zu Beginn der Firmspendung fragt der Bischof, ob die Bewerber und Bewerberinnen „mit offenem Herzen die Gabe Gottes, den Heiligen Geist, erwarten“. Damit ist ein wesentliches Ziel der Firmvorbereitung angesprochen. Was aber braucht es, damit junge Leute für den Geist Gottes ihr Herz öffnen? Sie brauchen Menschen, die erkennbar als Christen leben und bereit sind, ihren Glauben mit anderen zu teilen. Auch wenn die Offenheit des Herzens und der Glauben nicht von Menschen „machbar“ sind, sondern selber schon ein Geschenk Gottes, so geht es dennoch nicht ohne das Zeugnis der Glaubenden, damit Menschen zum Glauben finden können.
Der „Schlüssel“ für eine gute Firmvorbereitung sind daher die Firmkatechetinnen und -katecheten. Sie sind nicht nur als Glaubenszeugen wichtig, sondern zeigen auch „leibhaftig“ das Interesse der Kirche an den jungen Menschen. Darum ist es so überaus wichtig, dass die Firmvorbereitung nicht einfach den Eltern überlassen wird. Gerade in einer Phase der Ablösung und des Erwachsenwerdens brauchen Jugendliche ältere Begleiterinnen und Begleiter, die nicht zu ihrer Familie gehören. Die vordringliche Aufgabe der Priester und Gemeindereferentinnen ist es daher, nach geeigneten Glaubenszeugen zu suchen, sie für die Firmvorbereitung zu gewinnen und sie entsprechend vorzubereiten und zu begleiten.
Während die Taufe das „Eingangstor“ zu einem Leben mit Gott und im Geist Gottes ist, führt die Firmung zum Wachstum und zur Stärkung dieses Lebens. In der Firmung erneuert und bekräftigt der Getaufte sein Glaubensbekenntnis. Er erhält die Kraft und die Sendung, als Christ ein „Mensch für andere“ zu werden.
Um diese Kraft für die Firmbewerber/-innen zu beten, ist eine Aufgabe der ganzen Gemeinde.


22.05.2012
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