Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Wewelsburg wird 400 Jahre alt

Die Dreiecksburg des Fürstbischofs

Vor 400 Jahren ließ der Paderborner Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg die Wewelsburg erbauen. Das Gemälde des Bischofs hängt in der Theologischen Fakultät in Paderborn.Foto: Archiv/Vieler

Büren-Wewelsburg. Deutschlands einzige Dreiecksburg, die Wewelsburg, wird 400 Jahre alt. Begangen wird das Jubiläum vom 26. April bis zum 20. Dezember mit vielen Sonderveranstaltungen. Den Höhepunkt bildet ein großes Museumsfest im Stil der Renaissance am 13. September. Erbaut wurde die Burg in den Jahren 1603 bis 1609 vom Paderborner Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg hoch über dem Tal der Alme.

„400 Jahre Wewelsburg 1609-2009 – kultureller Aufbruch in die Gegenwart“ heißt das Programm, das auf einen einzigartigen Schlossbau verweist – und auf einen „überaus schillernden Menschen an einer Wegscheide der Geschichte“, Fürstbischof Dietrich IV. von Fürstenberg, so jedenfalls die Einschätzung von Historikern des Kreismuseums Wewelsburg, das im Jubiläumsjahr nicht nur an die Geschichte der Burg, sondern vor allem auch an ihren Erbauer „in den vielen Facetten der historischen Person“ erinnern will.
In den Jahren 1603 bis 1609 ließ der Fürstbischof hoch über dem Tal der Alme bei Büren ein mächtiges Schloss errichten. Auf einem Bergsporn, über den Resten älterer Burgbauten, entstand ein herausragendes Beispiel für die Architektur der Weserrenaissance. Von den Anfängen der Reformation bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges herrschte an der Weser und in angrenzenden Ländereien bei den Fürsten vergleichsweise großer Wohlstand, der sich in zahlreichen prächtigen Neubauten ausdrückte. Fürstbischöfe wie Dietrich waren nicht nur Kirchenoberhaupt, sondern auch weltliche Herrscher. Die Wewelsburg zeigte nachdrücklich Dietrichs Macht im Hochstift, das in etwa dem Gebiet der Kreise Paderborn und Höxter entspricht. Dabei war das neue Schloss für den Fürstbischof nur ein Zweitwohnsitz, von dem aus er zum Jagen und Fischen auszog. Von seiner Hauptresidenz Schloss Neuhaus konnte er die Wewelsburg in einem halben Tag per Kutsche erreichen. Natürlich feierte er dort auch Gottesdienste. Die Weihe der Schlosskapelle im Erdgeschoss des Nordturms am 8. September 1609 markiert das eigentliche Jubiläum.
Am 13. September, dem Sonntag nach dem 400. Geburtstag, wird die Wewelsburg zum Schauplatz eines großen Museumsfestes im Stil der Renaissance. Auf Bühnen im Burggraben und Innenhof sind dann Aufführungen zu Themen jener Epoche zu sehen, die die Neuzeit einläutete. Seiltänzer, Stelzenläufer und Hofnarren sollen dann das Publikum unterhalten. Das Fest ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Jubiläums-Veranstaltungen. Den Anfang macht an diesem Sonntag, 26. April, 15 Uhr, der Museumsleiter Wulff E. Brebeck mit seinem Vortrag „400 Jahre im Dreieck“, dem sich eine Führung durch den Referenten anschließt. Den Schlusspunkt setzt ein Weihnachtskonzert am 20. Dezember. Dargeboten werden Lieder aus dem „Paderborner Gesangbuch von 1609“.
Dazwischen feiert die Wewelsburg ihr Jubiläum mit vielen weiteren Veranstaltungen. Geboten werden Führungen extra für Kinder, die das „Leben auf dem Schloss“ kennenlernen. Sommer-Ferienspiele sind geplant, eine Theaterwerkstatt, Vorträge über Esskultur vor vier Jahrhunderten und vieles mehr. Die meisten Jubiläumsangebote speziell für Familien liegen auf Sonntagen.
Die Burg durchlebte eine wechselhafte Geschichte. Deutschlands einzige Dreiecksburg wurde wiederholt schwer beschädigt und wiederaufgebaut. Eines der dunkelsten Kapitel waren die Hexenverfolgungen; der Folterkeller kann heute besich­tigt werden. Mindestens ebenso düster waren die Jahre, in denen die Nationalsozialisten das Schloss als Kult- und Schulungsstätte der SS missbrauchten. Die Wewelsburg und ihre nähere Umgebung verkamen zu einem Konzentrationslager, in dem viele Häftlinge gequält und ermordet wurden. Heute zeigt das Museum des Kreises Paderborn im ehemaligen Wohnschloss Dietrichs historische Schätze aus der Region und vieles zur nationalsozialistischen Zeit.


22.05.2012
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