Aktuelle Ausgabe
2012-5

Gedanken zum Evangelium

Die Chance der Umkehr bleibt immer

Richard Schleyer ist Diakon im Pastoralverbund Salzkotten.

Auch in den drohend klingenden Worten Jesu muss sich eine Frohe Botschaft offenbaren. Diese sucht Diakon Richard Schleyer herauszuarbeiten.

von Richard Schleyer

„Ihr alles werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“ Dieses Wort Jesu ist hart anzuhören. Es kann ein Herz bang machen, geradezu körperlichen Schmerz bereiten, wenn es im Innern trifft. Das soll das Evangelium des guten Gottes sein? Diese Frage taucht auf. Und das religiöse Empfinden wehrt sich: Eine solche Drohung widerspricht doch dem Charakter einer „Frohen Botschaft“! Wo soll darin das Frohmachende stecken? Es hilft, diesen Satz nochmals aufmerksam durchzulesen, vielleicht laut vor sich hinzusprechen: „Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.“ Schon in der Betonung kann das erfreuliche Element dieser ernsten Ansage hörbar werden. Es liegt in dem „wenn“. Dieses Bindewort kann mutmachend gewendet werden. Es vermittelt, aufmerksam vernommen, eine eindeutig Frohe Botschaft: Euer Schicksal ist nicht festgelegt. Es wartet nicht in jedem Fall ein böses Ende auf euch! Eine Umkehr, eine Bekehrung ist möglich! Mag sich die Weltlage auch noch so bedrohlich ausnehmen, die Situation des Glaubens und der Kirche noch so krisenhaft darstellen, die persönliche Hoffnung noch so sehr an einem Nullpunkt angekommen sein: vor Gott ist die Situation noch offen. Er schenkt die Chance eines neuen Anfangs. Umkehr und damit eine Umkehrung der Situation ist möglich.
Gerade der Schluss des Feigenbaumgleichnisses am Ende des Evangeliums verdeut­licht diese Hoffnung. Wo jeder erfahrene Bauer oder Gärtner den vertrockneten Baum längst umgehauen hätte, hält der göttliche Gärtner die Situation noch offen. Für ihn ist es noch längst nicht zu spät. Seine Geduld reicht weiter. Du sollst deine Chance erhalten, ruft Gott auch demjenigen noch zu, der selber schon längst den Glauben an sich aufgegeben hat.
Jesus lehnt es in seiner Argumentation geradezu ab, Gott für die schrecklichen Geschehnisse verantwortlich zu sehen, die ihm geschildert werden. Katastrophen sind für Jesus keine Strafen Gottes. Nicht Gott schickt die Leiden, die bereiten sich die Menschen schon selber, wenn sie ihren Weg ohne Gott gehen. Wo menschliches Leiden in der Welt überdeutlich mächtig wird, weist dies auf einen Mangel an Liebe hin. Und damit erreicht es uns als ein Aufruf zur Umkehr.
Für diese Umkehr der Herzen, die Versöhnung der Menschen untereinander und mit Gott, will Jesus werben.  Er verschweigt aber nicht die Konsequenzen, die sich zeigen werden, wenn die Umkehr ausbleibt. Wenn Menschen auf sich selber fixiert sind, werden sie einander und sich selber die Hölle bereiten. Sie verhärten, sie vergiften sich selber und das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Jede geschichtliche Katastrophe hat auch ihre Ursachen in menschlichem Versagen, wurde von verhärteten Seelen und vernagelten Köpfen mit herbeigeführt. Aber auch in geschichtlichen Krisen und Katastrophen hält Gott jedem einzelnen die Chance offen, sich ihm zuzuwenden und sich ihm anzuvertrauen. Selbst in der letzten Minute des Lebens noch. Aber der Tod setzt dann eine unüberwindbare Grenze. Dann ist die Zeit vorbei, um auf Gottes Werben zu antworten zu können . Gott zwingt seine Liebe keinem auf. Wer diese aber ablehnt, muss letztendlich selber mit den Konsequenzen einer ewigen Existenz ohne Liebe zurechtkommen.
Doch Jesus will uns nicht drohen mit solchen Folgen. „Das muss nicht so kommen“, möchte er mit seinem Evangelium vermitteln. „Gott will es anders. Er will euch zu ihm hin umkehren.“ Es ist also möglich, destruktive Gedanken und Handlungen umzudrehen und umzukehren und wieder auf Hoffnung zu setzen, auf die Möglichkeiten der Liebe Gottes.


05.02.2012
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