Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ausstellung „Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas“ in Kloster Dalheim

Die Bedeutung der Benediktiner

Das farbenprächtige Motiv stammt aus dem Ramsey-Psalter, einer klösterlichen Handschrift des 13. Jahrhunderts, die in der Dalheimer Ausstellung gezeigt wird. Foto: LWL

Lichtenau-Dalheim. Als „Vater des Abendlandes und Patron Europas“ gehört er zu den Schlüsselgestalten der christlichen Kultur. Wie der heilige Benedikt lebte, was seine Klöster bewegten und wie stark sein Wirken für die gesamte europäische Kulturgeschichte war, das zeigt jetzt eine Ausstellung im Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim.  

von Martina Schäfer 

Unter dem Titel: „Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas“ können Besucher in insgesamt 26 Abteilungen auf Spurensuche gehen.

 Auf 1200 Quadratmetern sind rund 200 bedeutende Schätze aus ganz Europa zu sehen. Vor allem teilweise bis zu tausend Jahre alte Handschriften bilden den Schwerpunkt von „Macht des Wortes“. Das breite Spektrum reicht von theologischen und liturgischen, musiktheoretischen Werken über naturwissenschaftliche Studien bis hin zu „verbotenen Schriften“ wie den „Zauberrezepten“ aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Andere Kunstschätze machen mit aufwändigen Gold- und Silberschmiedearbeiten aus dem kirchlichen Bereich bekannt. Edle Elfenbeinschnitzereien wie das Reichenauer -Sakramentar aus dem 9. Jahrhundert sind zu sehen. Zwei seltene fast unversehrt erhaltene Chormäntel aus dem 12. und 13. Jahrhundert begeistern durch ihre aufwändig bestickten Bilderzyklen. Die Ramsey-Psalter aus dem 13. Jahrhundert beweist die Kunstfertigkeit der klösterlichen Schreibstuben. Und Einblick in die Sammelleidenschaft der barocken Klöster, die repräsentativen Luxus schätzten, geben jene Werke großer Meister wie Albrecht Dürer, Anthonius van Dyck oder Peter Paul Rubens. 

Als Grundlage der groß angelegten Ausstellung dient dem Dalheimer Landesmuseum der Fundus des Benediktinerstifts St. Paul im Lavanttal. Der größte Teil dieser Sammlung stammt aus dem Benediktinerkloster St. Blasien im Schwarzwald, welches im Zuge der Säkularisation 1806 aufgelöst wurde. Dessen Mönche retteten den größten Teil ihrer Kunst- und Urkundensammlung sowie die Bibliothek in das österreichische Stift. 

Neben Glanz und Glaube verleugnet die Ausstellung nicht die Schattenseiten im Mönchtum. Krisen wie Reformen, Abspaltungen, die Reformation oder der Einbruch durch die Säkularisation im 19. Jahrhundert sowie die schwierige Wiederbelebung der Konvente werden thematisiert. Benedikts Worte und Weisungen bleiben nach wie vor aktuell. Ungefähr 60 Männerklöster und 40 Frauenklöster gehören heute im deutschsprachigen Raum dem Benediktinerorden an.

 


22.05.2012
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