Aktuelle Ausgabe
2012-20

Hüffert-Kapelle in Warburg ist jetzt Kulturzentrum

Der Zyklop und die Kapelle

Der erste Abgesandte des Kulturzentrums: Eine Statue des Zyklopen Polyphem vor der Hüffert-Kapelle in Warburg.

Warburg. Der erste Kulturbote vor der Hüffert-Kapelle ist drei Meter hoch, fünf Meter breit und besitzt nur ein Auge. Es ist der Zyklop Polyphem, den Odysseus geblendet hat. Der mythologische Riese liegt ausgestreckt im Garten des Gotteshauses. Denn Kunst zieht in die Kirche ein. Damit geht die über 80-jährige Ära der Hüffert-Kapelle zu Ende. Am Neuanfang stehen jetzt Kunst und Kultur.

von Sandra Wamers

Die Messgewänder liegen auf der Kirchenbank. Auf dem Altar stehen die alten Kerzenständer. Die kleine Platte auf dem Tischaltar, unter der die Reliquie verborgen war, ist entfernt – wie auch das Heiligtum. Die Kultgeräte sind für den Abtransport bereit, denn seit dem 11. Juli ist die Hüffert-Kapelle profaniert. Es ist ein Ende, zugleich auch ein Neuanfang.
„Was macht man mit dieser Kapelle“, fragt Bauingenieur Anton Volmer. Vor elf Jahren hat er die Kapelle für 500 000 DM gekauft – eigentlich nur mitgekauft. Denn den Warburger interessierte vor allem der leerstehende Klosterkomplex der Armen Schulschwestern unserer Lieben Frau. Die Kapelle war eher Beiwerk. In dem verwaisten Klostergebäude hat Volmer sein Ingenieur-Büro eingerichtet. Dafür wurden die Klausur-Räume der einst 30 Schulschwestern umgebaut und Mietwohnungen eingerichtet. 1100 Quadratmeter umfasst der Wohnraum. Die Grundstücksgröße beträgt 2 350 Quadratmeter, die der Kapelle 200 Quadratmeter. 300 000 Euro hat die Renovierung bis jetzt gekostet. Als Ingenieur muss Volmer kalkulieren – dennoch ist Geld nicht alles. Volmer ist gläubiger Katholik. Nachdem er den Klosterkomplex gekauft hatte, wurden weiterhin Messen in der Kapelle gefeiert. Vorzugsweise Gottesdienste der benachbarten Bildungseinrichtungen: des Hüffert-Gymnasiums, des Kindergartens St. Martin und des Theresia-Gerhardinger-Berufskollegs. Alle drei Einrichtungen lagen über Jahrzehnte in Trägerschaft der Armen Schulschwestern. 1997 wurde der Konvent aufgelöst. Nur Schwester Diethild Wicker blieb und kümmerte sich im vergangenen Jahrzehnt um die Kapelle. Erst jetzt zog sie ins Mutterhaus nach Brakel.
Mit Schwester Diethild und Pfarrer Wolfgang Fabian von der Warburger Altstadt-Gemeinde hat Ingenieur Anton Volmer diskutiert. Obwohl sich eine kleine Gemeinde um die Kapelle gebildet hatte, wurde der Unterhalt immer schwieriger. Was tun? „Eine Kneipe – undenkbar“, betont der 57-Jährige. Der Nutzungsplan eines geweihten Ortes muss überdacht sein – die Unterhaltung aber auch. „Es soll Leben in die Kapelle, kulturelles Leben“, sagt Volmer. Er hat sich für die Einrichtung eines Kunst- und Kulturzen­trums entschieden. Künstler sollen ein Forum bekommen. Ein Vorhaben, das sich in dem Gesamtkomplex der Hüffert-Kapelle einfügen soll: „Mitten im Schulzentrum soll jetzt ein Kulturzentrum angeboten werden.“ Eine Ausstellung ist bereits gelaufen. Ateliers des Bad Driburger Kunstforums entstehen in der Kapelle. An diesem Samstag geht die Kapelle mit einer Vernissage an den Start.
Der Zyklop Polyphem war ein Vorbote des Kunstbetriebs. Mit der Entscheidung für Kunst und Kultur, war auch klar: Die Kapelle wird profaniert. „Die Kunstschaffenden werden tagsüber in der Kapelle malen, essen, trinken, sprechen. Das verträgt sich nicht mit einem geweihten Ort, an dem Abends dann Messen gefeiert werden“, begründet Anton Volmer den Entschluss. Dennoch: Das geistliche Erbe bleibt sichtbar. Die Statuen von Johannes, Augustinus und Petrus bleiben an der Außenwand der Apsis zurück. Sie blicken auf den Friedhof der Armen Schulschwestern und auf deren Garten. Den will Anton Volmer erhalten. Er hat Tannen gefällt, um den Blick auf die alten Ginko- und Obstbäume der Schwestern freizulegen. Auch einen Bauerngarten hat er angelegt. „An diesem Ort hängt mein Herzblut“, sagt Anton Volmer.


21.05.2012
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