Gedenktafel erinnert an Gräber der Vorfahren des niederländischen Königshauses in St.-Marien-Kirche
Der Königsvater von Siegen
Siegen. Besucher, die die St.-Marien-Kirche in der Siegener Altstadt betreten vermuten zunächst nicht, dass dort im Chorraum auch die Vorfahren der niederländischen Königsfamilie begraben liegen. Eine Gedenktafel erinnert seit kurzem an ein lange zurückliegendes Kapitel der Siegener Geschichte. Doch auch die Gedenktafel selbst hat eine nunmehr jahrzehntelange Entstehungsgeschichte aufzuweisen.
von Christian Stoffers
Es war Pfarrer Wilhelm Ochse, der in den späten 1930erJahren die Gräberreihe bei Renovierungsarbeiten wiederentdeckte. Damals, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges und mitten in der Schreckensherrschaft der braunen Schergen, gelang es ihm, die Arbeiter, die die Kirchenrenovierung durchführten, zum Stillschweigen über den Fund zu bewegen. Erst nach dem Krieg berichtete Pfarrer Ochse in einem Aufsatz über den Fund. Bereits 1954, so berichten Pfarrer Wolfgang Winkelmann und Diakon Matthias Weißner, habe Ochse den Wunsch geäußert, die Grabstelle mit einer Gedenktafel zu versehen. Er habe sogar versucht, das benötigte Geld beim niederländischen Königshaus „einzuwerben“. Doch es ging mehr als ein halbes Jahrhundert ins Land, bis diese nun in der St.-Marien-Kirche angebracht werden konnte. Neben Pfarrer Wolfgang Winkelmann setzten sich insbesondere Karl-Heinz Ax, Dr. Andreas Bingener, Vorsitzender des Siegerländer Heimat- und Geschichtsvereins, und Friedhelm Menk, langjähriger Leiter des Stadtarchivs, für diese Tafel ein.
Wie es dazu kam, dass katholische Vorfahren der niederländischen Könige in der Kirche ihre letzte Ruhestätte fanden, berichtete bei der Vorstellung der Gedenktafel Dr. Andreas Bingener. Bei diesen Vorfahren handelt es sich um Johann V. Graf zu Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Diez, Herr zu Breda, Diest und Grimbergen (1455-1516), seine Frau Elisabeth Landgräfin zu Hessen-Marburg, seine Tochter, Schwiegertochter, Enkelin und weitere Adelige. Johanns Sohn Wilhelm führte als Erbe des Dillenburger Landes dort bis 1536 die Reformation ein. 1695 brannte die von beiden Konfessionen genutzte St.-Johannes-Kirche auf dem heutigen Gelände des Unteren Schlosses ab. In der Kirchenkrypta waren die Gebeine der nassauischen Adligen niedergelegt. Die evangelische Landesregierung untersagte damals der katholischen Kirche den Neubau einer Kirche auf dem Schlossgelände. Die Katholiken konnten nur eine kleine Kapelle im Jesuiten-Kolleg für den Gottesdienst nutzen und so suchte man ein passendes Gelände für den Bau einer neuen katholischen Pfarrkirche. Für den Neubau in der Löhrstraße gab es schließlich eine Genehmigung. Nach der Grundsteinlegung wurden die sterblichen Überreste der in der ehemaligen Johannes-Kirche begrabenen Familienmitglieder des Hauses Nassau umgebettet. Auch der Baumeister des 1725 fertiggestellten Gotteshauses in der Siegener Altstadt, Jesuitenbruder Anton Hülse, liegt unter den Marmortreppen begraben. Bis 1769 durften verdiente Bürger dann noch in der Kirche begraben werden.
Für Pfarrer Winkelmann ist es eine Freude, nach einem halben Jahrhundert des Stillstandes in dieser Sache nun die Begräbnisstätte durch eine Bronzetafel kenntlich machen zu können. Dass dies gelingen konnte, habe man auch zahlreichen Sponsoren zu verdanken, die helfen, „die Geschichte der katholischen Kirchengemeinde Siegen und die Identität der Stadt wahrnehmbarer zu machen“.







