Kath. Bildungswerk Hellweg bereitet Bibelpastorale in Soest nach Vorlage der Arbeitsstelle Zürich vor
Den religiösen Horizont erweitern
Soest. Wie steht es mit unserem Wissen, das wir von der Welt, von Gott haben? Genügt es den aktuellen Ansprüchen, haben wir mit der Glaubensentwicklung in unserer Gesellschaft mitgehalten oder brauchen wir, ähnlich wie bei einer PC-Software ein, „Update“, eine Fortbildung?
von Elisabeth Plamper
„7 Updates für den Glauben“, so heißt das Projekt, das das Katholische Bildungswerk Hellweg (KBW) derzeit nach Schweizer Vorbild in Soest vorbereitet. Die Federführung hat Josef Pieper übernommen. Der ehemalige Lehrer am Gymnasium war lange Jahre aktiv in der Gemeindearbeit tätig und ist so mit der Thematik bestens vertraut.
„In Sachen Glauben geht unser Wissen oft nur auf den Religionsunterricht und regelmäßigen oder selteneren Gottesdienstbesuchen zurück“, sagt Josef Pieper. Kirche und Gesellschaft befinden sich jedoch in einem strukturellen Wandel. Da reiche dieses Wissen nicht mehr aus, um Fragen nach dem Sinn des Daseins zu beantworten. „Außerdem sind wir der Meinung, dass heute zu wenig in der Gemeinschaft über Glauben geredet wird.“ Deshalb fehle häufig auch der spirituelle Impuls in schwierigen Lebensphasen und Extremsituationen.
Mit dem Projekt „Glaubenssachen“ bietet das KBW dem religiös interessierten Menschen an sieben Themenabenden mit Kurzreferaten, Gesprächsrunden und unter fachlicher Moderation die Möglichkeit zum Nach- und Weiterdenken über Gott und die Welt, dem Glauben und das Leben als Christ. „Es werden keine fertigen Antworten geliefert“, aber Raum gegeben, das eigene Glaubensverständnis zu überprüfen, zu erweitern und neue Sichtweisen für sich zu entdecken. Gleichzeitig bestehe die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion im Plenum. „Es genügt, aufgeschlossen zu sein und nicht davor zurückzuschrecken, zu alten Antworten neue Fragen zu stellen“, so Pieper. Bisher sei dieses Angebot einmalig im Bistum.
Die Impulstexte lehnen sich stark an biblische Texte an. „Mit welchen Augen sehen wir die Welt?“ Das ist der Leitgedanke des ersten Gesprächsabends. Im Mittelpunkt stehen Schöpfungsgeschichte und Gotteserfahrung. Es ist der Auftakt zu einer Reise durch die Hauptthemen der christlichen Religion. Eine Reise, die zeigt, wie aktuell auch heute noch die biblischen Überlieferungen sind, und wie sie als individuelle Quelle spiritueller Kraft genutzt werden können, gerade in kritischen Lebensphasen.
„Leiden, warum und wozu?“ – Umweltkatastrophen, Kriege, Krankheit und Tod verändern die Welt, das soziale Umfeld, den Familien- und Freundeskreis. Warum? Eine Antwort auf diese Frage findet sich auch in der Bibel nicht. Doch Ijob lehrt, mit dem Leiden umzugehen. Seine Geschichte ist Themenschwerpunkt am dritten Abend.
Aber auch auf die Rolle der Kirche als Institution geht die Kursreihe ein. So werden nicht nur die Aufgaben und Grundsätze der Institution skizziert, sondern auch „zwiespältige Erfahrungen“ thematisiert, bevor der Bogen geschlagen wird zu den Ritualen, Sakramenten und Gebeten, die die Kirche vorgibt und den Christen einen Meditationsrahmen zur Loslösung vom Alltag ermöglicht. „Gottes Geist durchweht die Welt.“ Die Antwort auf alle Fragen? Doch wie erfahre ich Gottes Geist? Ein Auszug aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 4,16-21) ist die Diskussionsgrundlage am Abschlussabend.
„Der Kurs ist ökumenisch angelegt und offen für alle, die bereit sind, sich mit Fragen zur Religion, Kirche und zum Christentum auseinanderzusetzen“, betont Pieper. Ziel sei, eine „Auffrischung“ des biblisch-theologischen Grundwissens über Kernthemen des Glaubens vor aktuellen gesellschaftlichen und religiösen Hintergründen zur Bereicherung und möglicherweise Hilfe und Neuorientierung im individuellen Leben.







