Das Museum „Wiedenbrücker Schule“ nimmt Formen an
„Dem Himmel so nah“
Rheda-Wiedenbrück. Passendes Schuhwerk war wichtig an diesem Tag. Denn der Gang zum und durch das neue Museum der „Wiedenbrücker Schule“ ist nichts für zarte Edeltreter. Noch nicht. Denn bislang befindet sich das Hinterhaus an der Rietberger Straße in Rheda-Wiedenbrück noch im Umbau. Die Eröffnung des Museums für sakrale Kunst aus der Zeit des Historismus ist für den 28. November geplant.
Von Ruth Lakenbrink
Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als müsste die ehemalige Werkstatt der Altarbauer Bernhard Diedrichs und Franz Knoche von 1904 abgerissen werden. Zu baufällig schien das Gebäude zu sein und zu groß der Platzbedarf des dahinter liegenden Altenheims St. Aegidius. Doch als sich die Pläne zur Erweiterung des Altenheims zerschlugen, reifte die Idee in Bürgermeister Bernd Jostkleigrewe, aus der ehemaligen Werkstatt ein Museum zu machen, um an die Arbeit der Wiedenbrücker Schule zu erinnern. Eine Stiftung wurde gegründet und mit Hilfe von Sponsoren ein Stiftungskapital von 750000 Euro zusammengetragen. Die NRW-Stiftung und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnten als Förderer gewonnen werden, sodass nun zusammen mit weiteren Fördermitteln vom Land NRW und dem Westfälischen Museumsamt eine Gesamtsumme von mehr als 2,1 Millionen Euro zusammengekommen ist.
„Die Ausstellung wird ein Alleinstellungsmerkmal haben“, da ist sich Martina Grote, Geschäftsführerin der NRW-Stiftung sicher. Nach dem Entwurf von Architekt Frank Hurlbrink wird derzeit das Gebäude grundlegend saniert. Die Konzeption des Museums sieht vor, dass sowohl die Kunstwerke der Wiedenbrücker Schule ausgestellt, als auch die Arbeit der Altarbauer dargestellt werden sollen. So ist beispielsweise geplant, den eigentlichen Werkstattraum in der Anmutung auch genau so wieder erscheinen zu lassen, mit Regalen und zufällig hingestellten Werkstücken. In einem anderen Raum, der der Zwischenmontage der Altäre diente, soll das ursprünglich durch Kirchenfenster simulierte Licht wieder hergestellt werden. Nur im „Kirchenlicht“ konnten die Farbfassungen der Werke tatsächlich unter realen Bedingungen begutachtet werden.
Darüber hinaus sollen die Geschichte der Wiedenbrücker Schule und ihrer einzelnen Werkstätten, die Bedeutung für die Wirtschaft der Region und nicht zuletzt die Arbeiten selber gezeigt werden. Dafür hat der Heimatverein Reckenberg-Wiedenbrück bereits 1800 Lieferungen katalogisiert. Die Exponate werden eingelagert und wechselnd präsentiert, denn „ein Museum lebt von Veränderungen“, weiß der Vorsitzende des Heimatvereins, Manfred Schumacher, zu berichten.
Als sich in der Zeit nach 1850 in Deutschland ein Boom im Kirchenbau entwickelte, machte sich der Wiedenbrücker Kunstschreiner Franz Anton Goldkuhle selbstständig. Er fertigte Altäre in den damals vor allem in der katholischen Kirche favorisierten Stilarten des Historismus: Neugotik, Neuromanik, Neubarock. Da er schnell feststellte dass er für seine Aufträge gute Künstler brauchte, bildete er diese aus. Und schon bald machten sich auch seine Lehrlinge mit eigenen Werkstätten selbstständig. Bereits in den 30er-Jahren hatten Kunsthistoriker für die Meister und ihre Nachfolger sowie ihre Kunstwerke einen Namen gefunden: „Wiedenbrücker Schule“.
Ob Altäre, Kanzeln, Kommunionbänke, Kreuzwege, Beichtstühle, Altarbilder, Heiligenfiguren oder Ausmalungen in ganz Deutschland zeugen Kirchen von der Kunstfertigkeit der Wiedenbrücker Schule. „Dem Himmel so nah“ lautet denn auch das treffende Motto der Museumsstiftung. Sogar in Königsberg, in Kanada, den USA, Südamerika und China finden sich Werke aus der Emsstadt. Als vor allem nach dem ersten Weltkrieg die Aufträge von Kirchen nachließen, stellten sich viele Altarbauer auf Möbelproduktion um.







