Neue pflegefreie Urnengrabstätten auf dem Friedhof in Hamm-Pelkum finden eine große Resonanz
Dem Grab einen Namen geben
Hamm-Pelkum. Der neue Urnenhain auf dem Friedhof an der Kamener Straße wirkt wie ein kleiner Park. Drei runde Beete mit einer Wechselbepflanzung aus frischen Blumen je nach Jahreszeit werden umrahmt von Kieswegen. In der Mitte der Beete steht jeweils ein Baum. Bänke laden zum Verweilen ein.
von Elisabeth Plamper
Vor rund drei Monaten wurde der östlich der Trauerhalle gelegene Urnenhain für Bestattungen freigegeben. Die gärtnerisch gestalteten Beete umfassen jeweils sieben im Boden eingelassene Kolumbarien für eine oder zwei Urnen und werden mit einer achteckigen Steinplatte geschlossen. „Auf der Abdeckplatte können der Name der Verstorbenen und persönliche Daten angebracht werden“, erklärt Markus Klüppel (Foto), Landschaftsarchitekt beim Tiefbau- und Grünflächenamt der Stadt Hamm. Auch eine Grabvase oder Grableuchte seien möglich. „Bei dieser Form der Bestattung entfällt für die Angehörigen die Grabpflege und sie haben trotzdem eine feste Anlaufstelle, einen gekennzeichneten Ort, um ,Zwiesprache‘ mit dem Verstorbenen zu halten oder ein stilles Gebet zu sprechen.“
Die neuen Urnengrabstätten sind gefragt, und so zieht Markus Klüppel schon nach dieser kurzen Zeit eine positive Bilanz. „Inzwischen haben vier Beisetzungen in dem neuen Grabfeld stattgefunden.“ Fünf weitere Kolumbarien seien schon jetzt zu Lebzeiten erworben worden.
Ein Ehepaar hat sich für diese neue Bestattungsform entschieden und das so begründet: „Wir sind beide über 80 und unsere drei Kinder und fünf Enkel wohnen in München, Dresden und Paris.“ Es sei ziemlich unwahrscheinlich, dass sie eines Tages nach Hamm zurückkehren werden. „Ein Wegzug aus unserer westfälischen Heimat, hin zu einem der Kinder, kommt für uns aber auch nicht in Frage. Von daher haben wir uns in den verschiedenen Lebensbereichen Gedanken gemacht, wie wir unseren Lebensabend organisieren und gestalten. Auch die letzte irdische Frage nach der letzten Ruhestätte tauchte irgendwann auf.“ Die Kinder könnten aufgrund der Entfernung unmöglich eine regelmäßige Grabpflege übernehmen. „Trotzdem“, so das Ehepaar, „wünschen wir uns eine ,richtige Grabstätte‘ mit Namen, Grablaterne und der Möglichkeit, Blumen abzulegen, sowie ein schön gestaltetes Umfeld.“
Bei ihren regelmäßigen Spaziergängen über den Pelkumer Friedhof hat das Paar dann verfolgt, wie das neue Grabfeld angelegt wurde. „Bei dem zuständigen Friedhofsgärtner, Herrn Kilian, erfuhren wir, dass diese Grabstätten auch schon zu Lebzeiten erworben werden können.“ So zögerten die Senioren nicht lange und entschieden sich für einen Platz im Schatten einer Kugel-robinie für ihre letzte Ruhe. „Wir sind sehr froh, dass wir diese Dinge schon jetzt geregelt haben. Auch unsere Kinder müssen sich nun keine Gedanken mehr machen, was im Letzten mit uns passiert.“
Für Markus Klüppel ist die Aussage der Senioren eine Bestätigung, für den stetigen Wandel in der Bestattungskultur, der von Kirche und Kommunen viel Fingerspitzengefühl fordere. „Der Wunsch nach einer individuellen Bestattung entsprechend der persönlichen Lebensweise und dem sozialen Umfeld nimmt zu.“







