Aktuelle Ausgabe
2012-20

Zum 60. Geburtstag ist die Dortmunder Kommende „mehr und jünger denn je.“

Dem Geist der katholischen Soziallehre fest verbunden

Prälat Dr. Peter Klasvogt (52) stammt gebürtig aus Herford. Nach dem Theologiestudium wurde er 1984 zum Priester geweiht und promovierte 1992.Von 1991 bis 2006 war er Regens am Erzbischöflichen Priesterseminar in Paderborn. Seit 2006 ist er Direktor der Akademie Schwerte sowie auch der Kommende in Dortmund.

von Dr. Peter Klasvogt

Kommende Dortmund, gibt es die denn noch?“, werde ich gelegentlich gefragt, seit vor längerer Zeit der Umbau, aber doch nicht der Abriss beschlossen wurde. Im Gegenteil: Mit dem Umbau zu einem modernen Konferenzzentrum, der im nächsten Sommer beginnt, wird ein neues Kapitel in der nunmehr 60-jährigen Geschichte des Sozialinstituts aufgeschlagen, das sich über die Jahrzehnte einen Ruf als eines der führenden Sozialinstitute der katholischen Kirche in Deutschland erworben hat. Man kann die Weitsicht des damaligen Paderborner Erzbischofs Jaeger nicht hoch genug schätzen, der schon 1949, als das kriegszerstörte Deutschland noch darniederlag, der Kommende die Aufgabe zuwies, aus dem Geist der katholischen Soziallehre die innere und äußere Erneuerung in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft mitzugestalten und voranzutreiben.
So blickt die Kommende auf eine 60-jährige, in ihrer umfangreichen Tagungspraxis wohl einmalige Zusammenarbeit mit Konzernleitungen und Belegschaften im Bergbau und in der Autoindustrie zurück, die über den Weg der betrieblichen Kooperation und Kommunikation maßgeblich zu einer Erneuerung der Sozialkultur geführt hat. Im Dialog mit Arbeitgebern wie Arbeitnehmern und deren Interessenvertretungen wurde die Voraussetzung für eine erfolgreiche Sozialpartnerschaft begründet. Diese schon seit den frühesten Anfängen ökumenisch ausgerichtete Sozialarbeit hat landesweit Modellcharakter, weshalb ihr auf dem Ökumenischen Kirchentag 2010 auch ein eigenes Forum gewidmet wird. Es ist bezeichnend, dass es der Kommende aus ihrer christlichen Verantwortung heraus gelingt, sowohl mit den Gewerkschaften in einem konstruktiven partnerschaftlichen Austausch zu stehen. Dafür stehen sowohl die regelmäßigen „Rosinengespräche im Rittersaal“, als auch mit den Wirtschaftsverbänden und Kammern gemeinsame Veranstaltungen auszurichten, so den jährlichen Unternehmertag im Dortmunder Industrieclub oder das Kommende-Forum Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, bei dem hochkarätige Referenten auf aktuelle Ereignisse eingehen und wirtschaftspolitische Hintergrundinformationen geben.
Aber auch für die Mitarbeiter im kirchlichen Dienst ist die Kommende die erste Adresse, insbesondere wenn es um Schulung und Weiterbildung der Mitarbeitervertretungen (MAV) geht. Überhaupt gehören Seminare und Fachtagungen zur politischen, sozialen und arbeitsweltbezogenen Bildung seit Gründung des Instituts zum festen Repertoire, wobei ein eigener Schwerpunkt auf der Schülerarbeit liegt. Und dabei wiederum ist es besonders die Kooperation mit den Haupt- und Berufsschulen im Engagement für sozial benachteiligte Jugendliche. Die in dreißig Jahren entwickelten Social learning-Projekte, die den jungen Menschen helfen, in der Gesellschaft Fuß zu fassen, werden permanent durch die Kommende weiterentwickelt. Dafür wurde jüngst, passend zum Kommende-Jubiläum, eine eigene Jugendstiftung „bene Volens“ ins Leben gerufen, die im Rahmen der Initiative „Stark ohne Gewalt“ Schulprojektwochen zur Gewaltprävention durchführt – in Kooperation mit Musikern der internationalen Musicgroup Gen Rosso, die zum Abschluss der gemeinsamen Arbeit ein Anti-Gewalt-Musical mit den Jugendlichen auf die Bühne bringen. Der Lerneffekt ist ausgesprochen nachhaltig.
Als Sozialinstitut beteiligt sich die Kommende Dortmund über die konkrete Bildungsarbeit hinaus auch am wissenschaftlichen sozial-ethischen Diskurs und an der Orientierung sozialchristlicher Praxis. Bei uns haben die Nachwuchswissenschaftler ihre Jahrestagung, und mit der Arbeitsgemeinschaft der Sozialethiker im deutschsprachigen Raum gibt das Sozialinstitut die international anerkannte Fachzeitschrift „Amosinternational“ heraus. In Themenheften setzt sich die Publikation mit allen gesellschaftlich relevanten Fragen auseinander und bringt die Perspektive der katholischen Soziallehre in die Debatten ein. Aufgrund ihrer guten Vernetzung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist die Kommende ein gesuchter Gesprächspartner, sodass ihr nicht zuletzt auch die Moderation des Gesprächs der Bistumsleitung mit den Sozialpartnern, mit Geschäftsführern der Kammern und Verbände wie auch den Agenturen für Arbeit zukommt.
Ja, die Kommende gibt es noch, mehr und lebendiger denn je. In ihrer Art ist sie in Deutschland einzigartig, weil es ihr gelingt, in ihrer Anwaltschaft für den Menschen im öffentlichen Raum, insbesondere in ökonomischen Prozessen und arbeitsräumlichen Kontexten als ehrliche Maklerin und fairer Partner wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Unser Erzbistum kann stolz darauf sein.


21.05.2012
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