Kommentar
Dauerhafte „Lückenbüßer“?
von Andreas Wiedenhaus
Mit ihrer aktuellen Studie zu Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern rückt die Caritas in Nordrhein-Westfalen eine komplizierte Problemlage ins Blickfeld, die von vielen gern verdrängt wird: Solche Einrichtungen für Bedürftige verfestigen zum einen die Spaltung der Gesellschaft, zum anderen entlassen sie den Staat teilweise aus seiner Verantwortung.
Nötig sind die Einrichtungen laut der Caritas-Studie aber trotzdem: Zu viele Menschen sind auf die kostenlosen Nahrungsmittel angewiesen; Alternativen nicht in Sicht. Kontraproduktiv und gleichzeitig unverzichtbar – das ist keine gute Ausgangsbasis für eine Lösung in absehbarer Zeit.
Das Anliegen der Caritas, die Tafeln und Suppenküchen zu „Sozialkaufhäusern“ weiterzuentwickeln, um den Nutzern das Gefühl der Ausgegrenztheit zu nehmen, dürfte in diesem Zusammenhang vergleichsweise leicht umzusetzen sein. Die Forderung des Sprechers der nordrhein-westfälischen Diözesan-Caritasdirektoren, Heinz-Josef Kessmann, die Probleme selbst in den Blick zu nehmen, statt die Symptome zu kurieren, hat da wohl weit weniger Aussicht auf Erfolg. Dazu haben sich schon viel zu viele Verantwortliche auf der politischen Ebene mit der Spaltung der Gesellschaft abgefunden.
Außerdem haben ganz andere Themen Priorität: Der Atom-Ausstieg steht derzeit ganz oben auf der politischen Agenda. Abgesehen davon hat das Hin und Her um die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze gezeigt, wie schwer sich die Regierung mit Sozialstaatsthemen tut. So dürften die Tafeln ihre Lückenbüßer-Funktion im sozialen Gefüge noch eine ganze Zeit behalten.






