Tagung auf der „Hegge“ befasste sich mit der Rolle der Christen beim Mauerfall
Das Wunder von 1989
Willebadessen-Niesen (mg/jon). Um den Anteil der Christen an der friedlichen Revolution von 1989 ging es bei einer Tagung des Christlichen Bildungswerks „Die Hegge“ in Willebadessen-Niesen. Hochkarätige Referenten berichteten aus erster Hand von der Wende in der DDR.
„Das Wunder des Mauerfalls und die Mühsal der Einigung“, lautete das Thema. Von den 50 Teilnehmern hatten mehr als ein Drittel die friedliche Revolution 1989 seinerzeit in der DDR erlebt und für die drei Tage in der Hegge Anreisewege von bis zu 450 Kilometern in Kauf genommen.
Mit Dr. Herbert Wagner, erster Oberbürgermeister von Dresden nach der Wende, und Botschafter Dr. Claus Duisberg, damaliger Leiter des Arbeitsstabs Deutschlandpolitik im Bundeskanzleramt, beurteilten zwei politische Akteure den Herbst 1989 als Zeitzeugen aus ostdeutscher und westdeutscher Sicht. Ausführlich stellten sie einen für die deutsche Demokratiegeschichte einmaligen Vorgang aus Dresden vor: Am 8. Oktober 1989 wählten die Dresdener Demonstranten 20 Personen für Gespräche mit dem damaligen SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer aus. Als Berghofer die Gruppe dann nicht mehr als Interessensvertretung der Dresdener akzeptierte, wandte die sich an die Bevölkerung: Jeder Bürger, der die „Gruppe der 20“ unterstützt, sollte den symbolischen Betrag von genau einer Mark auf ein Konto zahlen. Binnen kurzer Zeit kamen so 100 000 „Wählerstimmen“ zusammen, sodass Berghofer die Gruppe als Vertreter der Bevölkerung anerkannte. Demgegenüber hatte der zentrale „Runde Tisch“ in Ost-Berlin kein vergleichbar demokratisch legitimiertes Mandat.
Mit Blick auf die Gegenwart ermutigte der ehemalige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Dr. Reinhard Höppner, sich aktiv für den Erhalt der Demokratie einzusetzen: „In Magdeburg versammelten wir uns seit Anfang der 80er-Jahre immer montags im Dom. Oft waren es nicht viele. Wir fragten uns manchmal, ob sich die Mühe wirklich lohnt. Ich habe damals erlebt, wie wichtig es ist, wenn unabhängig von allen Erfolgsaussichten und Bedrängnissen ausgesprochen wird, was in unserer Welt nicht in Ordnung ist. Es veränderte uns. Das Beglückende im Herbst 1989 war dann: Wir konnten erleben, dass es auch die Welt verändert, um die wir uns Gedanken machten.“
Einigkeit bestand unter den Anwesenden, dass der Begriff „Wende“ den Ereignissen um den Mauerfall am 9. November 1989 nicht gerecht werde. „Warum fällt es vielen Deutschen so schwer, von einer „friedlichen Revolution“ zu sprechen?“ fragte Tagungsleiterin Dorothee Mann.
Um die europäische Perspektive des Mauerfalls ging es bei einem Zeitzeugenbericht von Alexandra Freifrau von Wrede, die sich im Herbst 1989 um die DDR-Flüchtlinge in Budapest kümmerte.
Einig waren sich die Referenten, dass die friedliche Revolution inhaltlich durch die ökumenische Versammlung 1988 in der DDR vorbereitet worden war. Viele der Teilnehmer daran wurden später zu führenden Köpfen der Revolution. „Es bleibt zu hoffen, dass der Anteil der Christen an der Revolution 1989 dauerhaft in unser nationales Gedenken eingeht“, sagte Dorothee Mann.







