Aktuelle Ausgabe
2012-20

Weihbischof em. Paul Consbruch war fast 30 Jahre „Pastor der Pastöre“

Da musst du mal mit Consbruch reden

Weihbischof em. Paul Consbruch (Mitte) kümmerte sich fast 30 Jahren um Priester mit Problemen. Jetzt übernehmen Weihbischof Hubert Berenbrinker (r.) als Bischofsvikar und Personaldezernent

Paderborn. „Da gibt es viele persönliche Schicksale zu erzählen. Doch die werde ich alle mit ins Grab nehmen“, sagt Weihbischof em. Paul Consbruch über die fast 30 Jahre, in denen er sich um die „mühseligen und beladenen“ Priester im Erzbistum gekümmert hat. Ohne öffentliches Aufsehen hat sich der jetzt 78-Jährige in vielfältigen Notsituationen einen Ausweg für die Betroffenen gesucht. Für viele ist daher „Da musst du mal mit Consbruch reden“ zu einem wichtigen Hinweis geworden. Jetzt haben seine Nachfolge Weihbischof Hubert Berenbrinker und Msgr. Andreas Kurte dieses Amt übernommen.

von Gerd Vieler

Sein Kapital war die Verschwiegenheit, mit der er sich vorrangig um alte und kranke Priester kümmerte. „Alle wussten, dass ich das für mich behalte“, sagt er in einer Rückschau. Denn krank sei nicht immer gleich körperlich krank. Und so kennt Consbruch das Innenleben der Priester in der Diözese wie sicherlich kein Zweiter. Ob es um schwierige Lebenssituationen um die Amtsaufgabe, um Alkohol- oder Finanzprobleme geht oder – wie immer häufiger – um Demenzkrankheiten, immer habe er versucht, dem jeweiligen Priester eine Zukunft zu geben. Meist durch die Vermittlung eines Begleiters. Das habe er selbst neben seiner zeitaufwändigen Tätigkeit als Weihbischof nicht immer selbst leisten können. Bei Priestern käme eben auch alles vor, was bei anderen Menschen auch vorkommt, weiß Consbruch aus seiner Erfahrung als Pastor der Pastöre.
Diese Ansicht sei keineswegs zu Beginn seiner Tätigkeit selbstverständlich gewesen, als er zu Beginn der 80er Jahre aus eigener Initiative mit dieser speziellen Seelsorge begonnen habe. Erst zehn Jahre später sei er offiziell vom damaligen Erzbischof beauftragt worden.
So lange habe es nämlich gedauert, bis die Lebenskrisen bei Priestern öffentlich diskutiert werden konnten oder bis etwa Alkoholismus als Krankheit und nicht als persönliche Verfehlung im Bewusstsein verankert war. Viele seelische Ängste seien auch durch strenge Vorschriften der vorkonziliaren Zeit entstanden. So hat Consbruch in der Diözese durch seine verschwiegene Arbeit auf diese Probleme im Klerus aufmerksam gemacht.
Eine Merkwürdigkeit aus heutiger Sicht: Erst in den 90er-Jahren sei das Pensionsalter für Priester im Erzbistum auf 70 Jahre festgesetzt worden. Davor habe es ihn oft viel Mühe gekostet, alte Priester zu überzeugen in Rente zu gehen. Der Ruhestand sei häufig als Bestrafung empfunden worden. Da habe inzwischen eine Bewusstseinsänderung stattgefunden, erklärt Consbruch lächelnd.
In jüngster Zeit nehme das Problem der Demenzerkrankungen stark zu. Für kranke und/oder alte Priester müssten Vorsorgevollmachten erstellt und Betreuungen übernommen werden. Der Plan, ein eigenes Altersheim für Priester nach dem Vorbild anderer Diözesen zu errichten, sei wieder fallengelassen worden, weiß Consbruch: „Mehr als fünf Pastöre in einem Altersheim: Das geht nicht.“
So ist aus der anfänglichen Privatinitiative Consbruchs, die nach seinen eigenen Angaben anfangs wenig Verständnis gefunden habe, inzwischen die Stelle für einen eigenen Bischofsvikar für die  Begleitung der Ruhestandsgeistlichen geworden. Das freut den Pensionär besonders und er sieht seine Arbeit dadurch aufgewertet. Glücklich ist er auch darüber, durch seinen Dienst dazu beigetragen haben, das Gesicht der Diözese und den Umgang miteinander ein Stück menschlicher zu gestalten.
Um die kranken Priester wird sich neben Weihbischof Hubert Berenbrinker auch in Zukunft weiterhin Prälat Gerhard Horstkemper kümmern. Immerhin sind allein jährlich im Durchschnitt 120 akut erkrankte Priester im Krankenhaus zu besuchen. 


19.05.2012
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