Aktuelle Ausgabe
2012-20

Dr. Andreas Püttmann: Christen wichtig für die Gesellschaft – auch für die Atheisten

Christen sind anders

Vom Christentum überzeugt: Dr. Andreas Püttmann. Foto: Kunz

Weidenau. „Sind Christen anders? Was der Staat an seinen Christen hat“. Unter dieser Prämisse diskutierte der Politologe und Sozialwissenschaftler Dr. Andreas Püttmann aus Bonn im Pfarrheim St. Joseph mit einer kleinen Gruppe Zuhörer. Eigentlich hatte Pfarrer Karl-Hans Köhle mehr Interesse an der gemeinsam mit der Hochschulgemeinde und dem Katholischen Bildungswerk initiierten Veranstaltung erwartet. Doch selbst der Referent hatte große Probleme, sich durch den dichten Schneefall nach Siegen zu kämpfen. 

von Michael Kunz 

Püttmann bezog sich im Wesentlichen auf sein neues Buch, „Gesellschaft ohne Gott. Risiken und Nebenwirkungen der Entchristlichung“, das bereits kurz nach der Veröffentlichung in der dritten Auflage auf dem Markt ist. Nicht ganz glücklich ist der Autor damit, dass der Band nach den Informationen eines bekannten Internetanbieters von vielen gekauft wird, die auch Thilo Sarrazins Buch bestellt haben.

Dennoch sieht er sich nicht in der gleichen „Liga“ wie der ehemalige Bundesbankvorstand. Zumal er herausgefunden hat, „dass die Christen im Vergleich viel toleranter und offener sind, als andere Gruppen“. Vielleicht auch deshalb fürchtet der Autor die Vorstellung einer entchristlichten Gesellschaft. Christen seien entschlossener, wenn es um den Schutz jeglichen Lebens gehe, hätten ein stärkeres Rechtsbewusstsein und seien auch viel weniger anfällig gegen Extemismus sowie rechte und linke Ideologien.

Es gehe ihm keineswegs darum, einen anderen Menschen zum Glauben zu zwingen, „immerhin ist das ja eine existenzielle Entscheidung“. Er sei aber überzeugt, dass seine Argumente auch für Atheisten eingängig seien. Christliche Werte „oder besser Tugenden, das ist ja nicht das Gleiche“, seien für die Gesellschaft wichtig und heilsam, auch für jene, die nicht glaubten.

Dass die aktuelle Diskussion um Sexualmoral und die Skandale in der katholischen Kirche die Institution in eine noch größere Krise stürzen könnte, glaubt Püttmann indes nicht. In der evangelischen Kirche gebe es solches kaum, dennoch seien die Austritte und Probleme dort viel größer. Letztlich macht sich Püttmann auch gar keine wirklichen Sorgen um die Zukunft der christlichen Lehre. Es habe immer Schwankungen gegeben, „und wir dürfen Deutschland auch nicht als Nabel aller Dinge betrachten“.

Wie auch immer die Entwicklung hier verlaufe, weltweit steige die Zahl der Christen. „Wer weiß, vielleicht werden wir dann in einigen Jahren von Nigerianern oder Indern missioniert“, überlegt er. Bis dahin fordert er von den deutschen Christen ein, sich offener und engagierter zu ihrem Glauben zu bekennen. Damit zumindest ein Kern der langen Tradition auch in Deutschland erhalten bleibt.


19.05.2012
Impressum | Kontakt
3985