Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Christen auf dem Rückzug?

von Andreas Wiedenhaus 

Der Anteil der Bundestagsabgeordneten, die sich zum Christentum bekennen, nimmt ab. Gehörten 1990 noch gut 70 Prozent der Parlamentarier zu einer der beiden großen christlichen Kirchen, so sind es aktuell noch 59 Prozent. Das ist weniger als der Anteil der Christen in der Gesamtbevölkerung: Dieser lieg bei knapp 63 Prozent.

Nun könnte man sagen, der Rückgang in den Reihen der Volksvertreter spiegele im Großen und Ganzen den – wenn auch bedauerlichen – Gesamttrend wieder und zur Tagesordnung übergehen. Doch das wäre grundfalsch. Betonen wir Christen doch immer wieder unsere Verantwortung bei der Gestaltung der Gesellschaft.

Und an diesem Punkt sind Verbände wie das Kolpingwerk und die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) gefordert: Sicherlich ist der Anteil der Abgeordneten, die Mitgliedschaft und Engagement aus christlichen Verbänden in die politische Arbeit einbringen, immer noch ansehnlich. Doch auch diese Zahl sinkt. Das mag daran liegen, dass politische Karrieren heutzutage anders gemacht und vor allem „geplant“ werden. Dieser mögliche Wandel darf die Verbände aber nicht daran hindern, nach politischen Talenten in den eigenen Reihen Ausschau zu halten und diese zu fördern.

Dabei geht es nicht darum, christliche Verbände mit politischen Kaderschmieden zu verwechseln. Wer aber beklagt, dass der christliche Einfluss in der Politik schwindet, der muss sich auch Gedanken darüber machen, was diesem Schwund entgegengesetzt werden kann.

 

 


19.05.2012
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