Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

„Christ will unser Trost sein“

Msgr. Prof. Dr. Konrad Schmidt leitet seit 1992 die Katholische Landvolkshochschule „Anton Heinen“ Hardehausen. Foto: Jonas

Die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn schenkt auch heute Trost und Zuversicht. Das macht Mut, gegen alles aufzustehen, was den Tod bewirkt. Darin sieht Msgr. Dr. Konrad Schmidt einen wesentlichen Aspekt der österlichen Botschaft.

von Msgr. Konrad Schmidt

Als 1975 das „Gotteslob“ als erstes einheitliches katholisches Gebet- und Gesangbuch für den deutschen Sprachraum an die Stelle des vertrauten Paderborner „Sursum Corda“ trat, gab es viele unwillige und unzufriedene Stimmen. „Im alten Sursum Corda kannte ich mich genau aus. Jetzt findet man ja nichts wieder!“ So eine häufig geäußerte Kritik. Lediglich   e i n   Lied ist an der gleichen Stelle geblieben: „Christ ist erstanden“. Im Sursum Corda wie im Gotteslob unter Nummer 213. Möglicherweise ein Zufall, aber ein höchst aussagekräftiger Zufall! Dreh- und Angelpunkt aller Neuerungen in unserem Singen und Beten ist diese Zuversicht: „Christ will unser Trost sein.“
Jede Strophe dieses ältesten Liedes deutscher Zunge endet mit dem Ruf „Kyrieleis“. Deswegen sprach man von Leisen, von Liedern. Alles, was wir bei der Arbeit und in der Kirche, in der Küche und beim Feiern, in Freude und in Leid singen, hat offensichtlich in diesen „Leisen“ seine Ursache: Christ ist erstanden! Im heutigen Festevangelium löst Maria von Magdala einen Wettlauf aus. Petrus und Johannes wollen überprüfen, was die Magdalenerin in ihrer Aufregung erzählt hat. Der Jüngere wartet vor dem offenen Grab. Der Lieblingsjünger lässt offensichtlich der Autorität den Vorrang. Petrus stellt fest, was er vorfindet. „Der andere Jünger“ sah und glaubte. Beide kehren nach Hause zurück.
Unser Blick kann sich jetzt auf Maria von Magdala konzentrieren. Völlig aufgelöst befindet sie sich vor dem Grab. Sie kann sich mit dem leeren Grab und dem Verschwinden des Leichnams Jesu nicht abfinden. Daher verlässt sie das Grab und seine Umgebung nicht. Der Tote ist verschwunden. Ein unbekannter Mann spricht sie an: „Frau, was willst du?“ Sie hält den Fremden für den Friedhofsgärtner und fragt aufgebracht zurück, wo denn die Leiche geblieben sei. Auf diese Frage gibt der Unbekannte keine Antwort. Er sagt nur ein Wort: „Maria“. Bei dieser Anrede gehen ihr die Augen auf. Auf Hebräisch redet sie ihn an: „Rabbuni, mein Meister!“ Es ist der Totgeglaubte, der vor ihr steht. Sie will ihm um den Hals fallen; doch er wehrt ab. „Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Halte mich nicht fest!“ Wie oft ist dieses „Noli me tangere“ gemalt worden! Der Auferstandene hat keinen Körper mehr, der essen und trinken müsste, den man umarmen könnte. Er kann jetzt aus dem Nichts auftauchen. Anhand seiner äußeren Erscheinung, seiner Physiognomie also, ist er nicht zu erkennen. Vielmehr sind es die eigenen Verhaltensweisen, die ihn erkennen lassen, seine besondere Art, wie er zum Beispiel Maria bei ihrem Namen ruft.
Was ist nur geschehen – im Garten des Josef Arimathäa? Die Auferstehungsgeschichte steht von Anfang an unter Schwindelverdacht. Eines ist jedoch überdeutlich: Nach der Begegnung mit dem Auferstandenen sind die Menschen nicht mehr wie vorher. Sie sind nicht wiederzuerkennen. Die in ihrer Trauer blockierte Maria von Magdala verkündet voller Überzeugungskraft: „Ich habe den Herrn gesehen.“ Feiglinge und Wackelkandidaten, Zweifler und Angsthasen sind    n a c h    der Begegnung dem Auferstandenen starke Herolde ihrer Überzeugung. Österliche Menschen sind sie: Protestleute gegen den Tod in all seinen Varianten. Bis heute ist dieses Ausdruck des Osterglaubens geblieben. Auch wir möchten der Bedeutungslosigkeit, jeder Form von Depression, von Feigheit und Unmenschlichkeit die Stirn bieten. Wir möchten anstürmen gegen alles, was klein und hässlich ist, was uns verzagen lässt. Unserem Osterauftrag möchten wir entsprechen und kraftvoll singen: „Christ will unser Trost sein; des solln wir alle froh sein.“


19.05.2012
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