Kommentar
CDU ud Zölibat
von Matthias Nückel
Eigentlich war es zu erwarten, dass manche Personen oder Gruppen versuchen würden, den bevorstehenden Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Der erste Versuch kommt nun ausgerechnet aus den Reihen der Christlich Demokratischen Union. Acht Politiker riefen die Kirche auf, verheiratete Männer zum Priesteramt zuzulassen.
Selbst einige Parteifreunde der Gruppe um Bundestagspräsident Norbert Lammert und Bildungsministerin Annette Schavan fragen sich offensichtlich, was ihre Kollegen geritten haben mag, das Thema Zölibat zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form aufzugreifen. Während die deutschen Bischöfe im Ton sehr moderat auf die Erklärung reagierten, hagelte es aus den Reihen der Union zum Teil heftige Kritik. So hat der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt Recht mit seiner Feststellung, dass der Zölibat nicht in die Zuständigkeit von Parlamenten falle.
Der Zölibat ist ein ernstes Thema – zu ernst, als dass er sich zur parteipolitischen Profilierung eignet. Man mag zwar mit der Forderung nach verheirateten Priestern in der breiten Öffentlichkeit auf positive Resonanz stoßen. Der Sache dienlich sind solche plakativen Äußerungen jedoch nicht.
Ob es Veränderungen bei der Zulassung zur Priesterweihe gibt oder nicht, kann und darf ohnehin nur in der Weltkirche entschieden werden. Deutschland stellt gerade einmal knapp drei Prozent aller Katholiken. Niemand hierzulande sollte sich anmaßen, den anderen 97 Prozent zu sagen, welcher der richtige Weg ist. Das gilt erst recht für acht Politiker.






