Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Ausstellung „Komm mit nach Afrika“ in Hamm zeigt den Alltag auf dem schwarzen Kontinent

Brennholz schleppen und Swahili lernen

In den Sommerferien zieht es die Urlauber in die Welt hinaus. Ferne Länder und fremde Kulturen locken. Doch man muss keine Fernreise buchen, um das Leben auf einem anderen Kontinent kennenzulernen. Eine Fahrkarte zum Maximilianpark Hamm tut’s auch: Dort ist noch bis zum 11. September die Ausstellung „Komm mit nach Afrika“ zu sehen. 

Text und Fotos: Kay Müller

Die aufwändig gestaltete Ausstellung, die das Forum für Umwelt und gerechte Entwicklung Hamm (FUGE) in Zusammenarbeit mit dem Maxipark zeigt, thematisiert kindgerecht die Probleme und Schönheiten des Schwarzen Kontinents. Sie informiert über Armut und Kinderarbeit, über den schwierigen Alltag afrikanischer Kinder, aber auch über die Artenvielfalt der Natur und den kulturellen Reichtum. „Afrika ist mehr als bittere Armut, mehr als wilde Romantik oder grausame Gewalt“, betonen die Ausstellungsmacher. Sie wollen dazu anregen, sich intensiver mit diesem Kontinent auseinanderzusetzen, der zwar 83 Mal so groß ist wie Deutschland, aber doch meist auf eine Handvoll Klischees reduziert wird.

Gleich zu Beginn des Rundgangs findet sich der Besucher im Nachbau eines afrikanischen Dorfes wieder. Hier kann vieles selber ausprobiert werden. Afrikanische Musik-instrumente und Haushaltsgeräte zum Beispiel. Oder man erfährt am eigenen Leib, wie viel Kraft und Geschicklichkeit es erfordert, schwere  Wassereimer und Brennholz-Bündel  auf dem Kopf zu transportieren. Für viele Kinder in Afrika gehört so etwas schließlich zu den täglichen Aufgaben.

Doch auch die afrikanischen Kinder wollen nicht nur arbeiten, sondern auch spielen. Eine Treppe führt hinab in den hinteren Bereich der Ausstellung, der sich eigens mit diesem Thema beschäftigt.  Ein nach afrikanischem Vorbild nachgebauter Bolzplatz mit Sandboden und provisorisch zusammengezimmerten Holztoren veranschaulicht die einfachen Verhältnisse. Viele tausend afrikanische Kinder jagen auf solchen Plätzen dem Ball hinterher und träumen davon, eines Tages als Fußballprofi der Armut zu entkommen. Einige Bundesligaspieler afrikanischer Abstammung leben diesen Traum: Auf großen Schautafeln werden Spieler wie der Kameruner Joel Matip (Schalke 04) oder Arthur Boka (VfB Stuttgart), der aus der Elfenbeinküste stammt, porträtiert.

Geld für teures Spielzeug haben afrikanische Familien nicht. Doch die Not macht die Kinder erfinderisch: Aus alten Wasserkanistern und Cola-Dosen bauen sie sich ihre Spielzeugautos selber, und Lumpen formen sie gekonnt zu Stoffbällen. Die Ausstellung „Global Players“, die in die Hammer Afrikaausstellung inte-griert wurde, zeugt vom Ideenreichtum, mit dem die Kinder ihren Alltag meistern. Die selbstgemachten kleinen Kunstwerke spiegeln zugleich ihre Lebensumstände und Träume wider: Mit dem Hubschrauber wollen sie dem Krieg entkommen, mit schwer beladenen Lastern quer durch ihr Land fahren, mit Bällen ihren Fußballidolen nacheifern.Lehrreich endet der Rundgang durch die Ausstellung auf schlichten Holzbänken. In einer nach afrikanischem Vorbild aufgebauten Schulklasse lassen sich ein paar Brocken Swahili lernen. Die Ausstattung ist dürftig: Mit Kreide auf Schiefertafeln zu schreiben, dürfte für deutsche Kinder ungewohnt sein. Wer nach so viel geistiger Anstrengung im wahrsten Sinne des Wortes Appetit auf afrikanische Lebensart bekommen hat, findet einen kleinen, aber gut sortierten Eine-Welt-Laden mit fair gehandelten Produkten afrikanischer Erzeuger vor. 

Der Faire Handel ist nur eine von vielen Initiativen zur Bekämpfung der Armut Afrikas. Lokale und überregional tätige Hilfsorganisationen präsentieren sich und ihre Arbeit ebenfalls in der Ausstellung, zum Beispiel das Kinderhilfswerk Unicef, das Hilfsbündnis „Gemeinsam für Afrika“ oder das Hammer Forum mit seiner Ausstellung „Reise zu den vergessenen Kindern Afrikas“.


19.05.2012
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