Tagung der Bischofskonferenz in Hamburg war thematisch und organisatorisch ein besonderes Ereignis
Bischöfe im Focus der Medien-Aufmerksamkeit
Hamburg. Bischofskonferenzen standen lange schon nicht mehr so im Licht der Öffentlichkeit, wie zu Beginn des Monates. Da tagten unter dem Blick von 80 akkreditierten Journalisten die knapp 70 katholischen Hirten nicht nur mit einem brisanten Themenmix zwischen Papst, Pius-Brüdern und Kapitalismuskritik. Sie hatten sich auch in einem luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel versammelt, das just in einer der Städte steht, die nach Deutschlands Osten die größte säkulare Ausprägung hat.
von Christian Schlichter
Kirche ist in Hamburg nicht sehr wichtig. Der Michel als evangelische Hauptkirche gilt zwar als Wahrzeichen. Im Nobelstadtteil Nienstedten steht ein Gotteshaus an der berühmten Elbchaussee, in dem es sich in vortrefflicher Kulisse heiraten lässt. Doch was neben Kunst und Kultur die Kirchenhallen an Inhalten zu bieten haben, ist weniger Thema. Von den 1,7 Millionen Einwohnern sind nicht einmal mehr die Hälfte getauft, nur knappe zehn Prozent sind katholisch. Diese Bestandsaufnahme, von Hamburgs Erzbischof Werner Thissen seinen Kollegen im Infomaterial zur Tagung präsentiert, brachte manchen das katholische Leben gewöhnten Bischof zum Nachdenken. Denn in Hamburg konnte er das begutachten, was im Prozess der Entkirchlichung in vielen anderen Gegenden erst läuft. Somit war die Frühjahrsvollversammlung in diesem Jahr durchaus auch ein Blick in die Zukunft.
Wie sich die Kirche in den Zeiten abnehmender Bindungen einmal präsentieren könnte, das zeigte der Blick der Teilnehmer auf den recht beschaulichen Apparat einer Kirchenbehörde, die aber wie im Erzbistum Hamburg ein riesiges Gebiet zu verwalten hat. Die Vorbereitung des bischöflichen Treffens war für das kleine Erzbistum Hamburg so auch ziemlich aufregend. Nicht einmal 100 Mitarbeiter zählt die katholische Verwaltung in Hamburg, da sind die Angestellten der hauptamtlichen Caritas bereits mit eingeschlossen. 400000 Katholiken werden vom „kleinen Vatikan“ an der Danziger Straße hinter dem Hamburger Hauptbahnhof verwaltet, von Flensburg bis Geesthacht, von Harburg bis Rostock. Da sorgte das große Treffen nicht nur organisatorisch für allerlei Klimmzüge im Vorfeld. Auch der Tagungsort zollte dem Respekt. Denn in diesem Jahr tagten die Herren im Bischofsgewand im piekfeinen Hamburger Hotel Grand Elysee. Das hatte Besitzer Eugen Block den katholischen Hirten zwar nach eigener Aussage für den vergleichbaren Preis einer kirchlichen Herberge angeboten. Doch die unzähligen Talkshows, in denen er zuvor und dann später über den hohen Besuch in seinem Haus sprach und nicht ausließ, gar bescheiden seine Großzügigkeit herunterzureden, dürfte an Werbefaktor in der Stadt der Medien und Agenturen nicht zu verachten sein.
Der Besuch im Fünf-Sterne-Tempel inklusive Schwimmbad und Wellness-Oase brachte recht skurrile Begegnungen zustande. So wunderten sich manche Hotelgäste, die im Bademantel auf dem Weg zum Fitness-Bereich waren, beim Blick von der Ballustrade in das Foyer. Denn dort sahen sie einen Mann im Bischofsornat vor einem Blitzlichtgewitter der Fotografen Auskunft geben zur aktuellen Lage der Kirche. Für Erzbischof Zollitsch war das zwar keine Premiere, aber doch eine Form der Aufmerksamkeit, die der auf den ersten Blick eher in sich ruhende Mann bei den Pressekonferenzen souverän meisterte. So gut, dass er quer durch den Blätterwald, selbst vonseiten der linken Tageszeitung, in unzähligen Artikeln beste Kritiken bekam.
Auch das war eine Erfahrung, die es für die Bischöfe wieder zu entdecken gab. Dass sich die Medien für sie interessieren, dass Zeitungen und Internet voll waren, dass Gazetten berichten wollten, die die Kirche und ihre Tagungen bislang höchstens in den Bereich folkloristischer Randberichterstattung gesehen hatten, war neu. Und so verwunderte es nicht, dass die Themen, die mit der Finanzkrise sowie der Diskussion über die Pius-Bruderschaft Aufmerksamkeit weit über die sonst interessierten Medien fanden. Somit rechnete sich die Entscheidung, der sonst eher armen Diaspora einen Besuch abzustatten, doppelt für die Bischöfe. Nicht nur, dass sie in der Medienstadt großes Echo fanden. Sie überzeugten dort auch auf voller Linie durch ihre Dikussionen. Eine faire Presse, ein großes Medienecho sowie eine damit sichergestellte gute Verbreitung ihrer Nachrichten war ihnen dadurch gewiss. Der Faktor Diaspora hatte den Bischöfen auf eine Art gut getan, die sie zuvor kaum erwartet hätten.
Der Autor war nach der Neugründung des Erzbistums Hamburg 1995 zehn Jahre lang Chef der dortigen Kirchenzeitung.







