Aktuelle Ausgabe
2012-20

Caritas-Sozialstation Neheim hält Angehörigen von Dementen seit zehn Jahren den Rücken frei

Auszeit vom Stress

Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel (l.) hat die Schirmherrschaft für die „Aus-Zeit“ übernommen. Dieses Projekt wird seit zehn Jahren Angehörigen von Demenzkranken angeboten. Die gezeigten Bilder sind von den Kranken gemalt worden.Foto: Kolossa

Neheim (JK). Einfach eine Auszeit von der Pflege des demenziell erkrankten Angehörigen nehmen und neu Kraft tanken. Das ist in Neheim seit zehn Jahren möglich. Einmal wöchentlich werden im Gesundheitszentrum im St.-Johannes-Hospital in Neheim an jedem Donnerstag von 15 bis 18 Uhr an Demenz Erkrankte betreut.

Die Caritas-Sozialstation Neheim macht dieses Angebot seit zehn Jahren. Fünf bis acht Demenzkranke werden dann von Fachkräften und freiwilligen, ausgebildeten Helfern betreut – ein wichtiger Freiraum für die Angehörigen.
Eine der freiwilligen Betreuerinnen ist Bärbel Glaremin, die über drei Monate 33 Stunden Theorie gelernt und 15 Stunden Praxiserfahrung gesammelt hat. Sie betreut Menschen zu Hause, leitet aber auch die Donnerstage, die mit Kaffee und Kuchen beginnen. Danach wird gespielt, gesungen, gemalt oder erzählt – je nachdem was gewünscht und möglich ist. Im zehnten Jahr dieser „Aus-Zeit“ – so der Titel – übernimmt Arnsbergs Bürgermeister Hans-Josef Vogel im Rahmen des „Netzwerk Demenz“ der Stadt Arnsberg die Schirmherrschaft. „Hier wird Unterstützung für pflegende Angehörige aber auch für die Betroffenen selbst geleistet“, lobt er den Einsatz.
Entstanden ist dieser aus der Überlegung, dass es dem Demenzkranken nicht hilft, wenn der betreuende Ange-hörige durch die aufreibende Pflege erkrankt und sich nicht mehr um den Betroffenen kümmern kann. Diese Idee von Dr. Meinolf Hanxleden, Chefarzt der Geriatrie im St.-Johannes-Hospital, und Dietmar Hofmann, Pflege-dienstleitung der Sozialstation Neheim, zeigt Erfolg. „Es tut uns beiden gut“, würden manche sagen, wenn sie nach Hause gehen. Auch den Ange-hörigen gehe es erfahrungsgemäß besser, wenn sie drei Stunden in der Woche für sich zur Verfügung hätten.
„Der Kostenbeitrag in Höhe von 12,50 Euro für den Nachmittag wird bei eingeschränkter Alltagskompetenz von der Pflegekasse übernommen“, erläuterte Hofmann. Hilfen gibt es demnach viele, doch sich einzugestehen, dass sie notwendig sind, fällt schwer. Denn: „Nach wie vor ist Demenz ein Tabuthema“, erklärt Dietmar Hofmann. Die Krankheit verlange allen Seiten, im fortschreitenden Verlauf dieser Krankheit besonders den Angehörigen, vieles ab. Dazu kommt die „Schwellenangst“ aus falscher Scham. Bürgermeister Vogel verspricht: „Ich werde meinen Beitrag dazu leisten, dass Schwellen nicht bestehen müssen.“
In Arnsberg sind etwas 1000 Menschen an Demenz erkrankt. Dr. Hanxleden verweist auf die „Aus-Zeit“ als ein Angebot, die Situation der Erkrankten zu verbessern. Mindestens drei, aber auch bis zu fünf Betreuungskräfte stehen jeweils bereit; auch eine 1:1-Betreuung wird gewährleistet.


19.05.2012
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