Aktuelle Ausgabe
2012-20

„Zukunftswerkstatt 2020“ lässt Lüner Gemeinden positiv in das nächste Jahrzehnt blicken

Aufbruch in das verheißene Land?

Zu Beginn des Workshops geben Dekanatsreferent Edgar Terhorst und Bildungsreferentin Anette Quartermann in ihrem Referat „Veränderte Lebenswirklichkeiten“ den Impuls. Foto: Plamper

Lünen. Wer sich heute mit der Zukunft der Kirche auseinandersetzt, sieht auch die abnehmende Zahl der Gemeindemitglieder, die sinkenden Kirchensteuereinnahmen, die Tatsache, dass es immer weniger Priester und Gemeindereferenten gibt und die daraus resultierenden Zusammenschlüsse der Pastoralverbünde. Aber nicht nur Zahl der Hauptamtlichen sinkt, bei den Ehrenamtlichen fehlt es ebenfalls an Nachwuchs.


von Elisabeth Plamper

Pfarrer Marc Stücker, Leiter des Pastoralverbundes Lünen-Südost drückte es vor dem Hintergrund des geplanten „großen Pastoralverbundes“ mit insgesamt sieben Gemeinden so aus: „Haben wir als Kirche vor Ort im Lüner Südosten überhaupt eine Zukunft? Und damit verbunden: Lohnt es sich, dafür zu kämpfen?“
Unter dem Motto „Zukunftswerkstatt 2020“ trafen sich Vertreter der Gremien und interessierte Gemeindemitglieder zu einem eintägigen „Open Space“-Workshop im Michaelisheim. Was können Gemeinden im Pastoralverbund tun, was kann jeder Einzelne tun? Diesen Fragen gingen die Teilnehmer nach. Die neue personelle, finanzielle und organisatorische Aufstellung könne die pastoralen Möglichkeiten der Gemeinden erweitern oder einengen. Gerade darum lohne es sich, gleich der Verheißung Jahwes „Ich führe euch in ein neues Land“, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen, fasste Stücker zusammen.
Entsprechende Impulse gaben zu Beginn des Workshops Dekanatsreferent Edgar Terhorst und Anette Quartermann in ihrem Vortrag „Veränderte Lebenswirklichkeiten“. Unter anderem erläuterten sie die Ergebnisse der Sinus-Milieu-Studie. In kleinen Gruppen nahmen sich anschließend die Teilnehmer verschiedene Themen aus den Gemeinden wie beispielsweise Jugendarbeit, Gottesdienstgestaltung und aktives Gemeindeleben, vor, ermittelten den Ist-Zustand, setzten neue Ziele und entwickelten Strategien zu deren Umsetzung. Im gemeinsamen Plenum wurde der Wunsch nach einer „einladenden, für alle offenen Kirche“ deutlich. So soll ein „bewegter Gottesdienst“ mit Klatschen, Tanzen und Gesten kein Tabu mehr sein, denn „die Bewegung drückt das aus, was die Menschen fühlen“.
Erste spirituelle Ansätze dieser Art gibt es bereits in den Familiengottesdiensten. Auch die schwach besuchten Werktagsgottesdienste könnten neu gestaltet werden. Dem Wort aus dem Evangelium „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen ...“ (Mt 18,20) folgend, wurde angeregt beispielsweise diese statt in der großen Kirche in den Kirchennischen oder im „privaten Garten“ abzuhalten.
Im Mittelpunkt des aktiven Gemeindelebens soll zukünftig noch mehr Wert auf die persönliche Ansprache gelegt werden. „Die Menschen dort abholen, wo sie stehen“, so beschrieben die Teilnehmer ihren Ansatz. Ähnlich stellten sie sich auch die Gewinnung von neuen Ehrenamtlichen vor. Dazu gehöre auch, die besonderen Fähigkeiten des anderen zu erkennen und ihn zu motivieren, diese in das Gemeindeleben einzubringen. Eltern von Kommunionkindern oder Jugendlichen nach der Firmung seien hier besonders angesprochen, denn gerade sie zögen sich häufig wieder aus dem Gemeindeleben zurück, zeige die Erfahrung. Außerdem könnten auch eventuell neue Gemeindemitglieder durch aktive Kontaktaufnahme wie  „offene Treffs“ oder Begrüßungsbriefen für Neuzugezogene gewonnen werden. Das Fazit der Veranstaltung: „Wir erleben zurzeit, wie sich unsere Kirche vollständig wandelt und eine neue Gestalt annimmt.“


19.05.2012
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