Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Auf den Punkt gewählt

Auf die Stimme genau mit der erforderlichen Mehrheit wurde Bundespräsident Horst Köhler für eine zweite Amtszeit bestätigt. Und diese Stimme stammt nicht aus dem eigenen Lager, das ihm offensichtlich einige Stimmen verweigerte. 


Gerd Vieler (52) ist Chef vom Dienst des DOM

Gewählt ist gewählt, wenn auch nur mit der denkbar knappsten Mehrheit. Auch wenn die Verantwortlichen nach der Bundespräsidentenwahl lieber zur Sicherheit noch ein weiteres Mal nachzählten, liegt darin nichts Anrüchiges. Gibt es doch das legendäre Beispiel von Deutschlands erstem Bundeskanzler. Auch Konrad Adenhauer wurde vom Bundestag für seine erste Amtszeit mit nur einer Stimme Mehrheit gewählt – mit seiner eigenen. Das hat aber, wie die Geschichte beweist, der Kanzlerschaft keinen Abbruch getan.
Mutig in diesem Zusammenhang ist auch das Outing der Grünen-Wahlfrau Silke Stokar. Sie war allem Anschein nach das Zünglein an der Waage, das weitere Wahlgänge und damit vielleicht ein Scheitern Köhlers verhindert hat. Sie habe wahltaktische Spielchen der Linken verhindern wollen. Wobei Kandidatin Gesine Schwan sich nicht ausdrücklich davon distanziert hat, sich mit den Stimmen von Linken wählen zu lassen.
Bei Spaß-Kandidat Peter Sodann hat der Popularitätseffekt, der einst den amerikanischen Schauspieler Ronald Reagan auf den Präsidentenstuhl hob, in Deutschland (noch) nicht gezogen.
Eines lässt sich aus der Bundespräsidentenwahl für die in diesem Jahr noch anstehenden Wahlen schließen: Es wird knapp, niemand kann sich seiner Mehrheit sicher sein und es kommt auf jede Stimme an.


19.05.2012
Impressum | Kontakt
3985