Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Auf Dauer das kleinere Übel

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat die CDU aufgefordert, bei ihrer Politik christliche Grundsätze stärker zu beachten. Das C verpflichte auf Jesus Christus hin, „es ist nicht nur ein Adjektiv, wie ‚liberal‘ oder ‚sozial‘“.

Matthias Nückel (52) ist verantwortlich für den Inhalt des Dom

Nach dem Kölner Kardinal Joachim Meisner, der die CDU schon einige Male offen aufgefordert hat, das „C“ aus ihrem Namen zu streichen, legt nun der Müncher Erzbischof Reinhard Marx den Finger in eine offene Wunde der Partei.
Die Liste der Programmpunkte, bei denen Marx kaum noch Gemeinsamkeiten zwischen christlichen Grundsätzen und dem CDU-Programm sieht, ist lang. Eine Steuerpolitik, die allein die Wohlhabenden bevorteilt, eine Familienpolitik, bei der nicht mehr die Ehe von Mann und Frau allein Leitbild ist, und die Forschung an embryonalen Stammzellen nennt der Erzbischof.
In der Tat wächst die Kluft zwischen katholischer Kirche und Partei nicht erst seit heute. Es liegt zum einen daran, dass die Führung der CDU protestantischer geworden ist. Ein zweiter Grund ist entscheidender: die CDU will sich weiter als Volkspartei etablieren. Das jedoch geht in der immer diffuser werdenden Gesellschaft nicht mehr mit dezidiert christlichen Positionen.
Für engagierte Christen stellt sich immer mehr die Frage nach einer politischen Alternative. Wahrscheinlich werden Christen auf Dauer das für sie „kleinere Übel“ unter den großen Parteien wählen müssen. Denn die kleinen sektiererischen Parteien am Rande des christlichen Spektrums sind wirklich keine Alternativen.


19.05.2012
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