Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die Sonderausstellung „Für Königtum und Himmelreich“ dauert noch bis zum 21. Februar

Auf Augenhöhe mit dem König

Erst kürzlich in die Meinwerk-Ausstellung gekommen: Kelch und Patene in Miniaturgröße. Auf der Schale ist die rechte Hand Gottes eingraviert. Foto: lwl

Paderborn (lwl/jon). Noch bis zum 21. Februar dauert die Sonderausstellung „Für Königtum und Himmelreich“ des Erzbistums Paderborn und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). In den vergangenen Wochen sind einige Exponate neu in die Ausstellung gekommen. So ist im Museum in der Kaiserpfalz ein silbernes Set aus einem Kelch und einer Hostienschale in Miniaturgröße zu sehen.

Der Kelch ist fünf Zentimeter hoch, die Schale hat einen Durchmesser von ebenfalls rund fünf Zentimetern. Archäologen haben das kostbare liturgische Gerät in den 1940er-Jahren gefunden, als sie im Mindener Dom ein Bischofsgrab öffneten, vermutlich das von Bischof Eilbert (1055/56-1080). Hintergrund der geringen Größe des Geräts: Als Zeichen der priesterlichen Würde legte man im Mittelalter Bischöfen und anderen hohen geistlichen Würdenträgern eucharistische Gefäße und Messgewänder in ihre Gräber. Kelch und Patene, ein liturgisches Gefäß, das bei der heiligen Messe verwendet wird, haben unter den liturgischen Geräten eine besondere Bedeutung, dienen sie doch zur Aufnahme von Brot und Wein bei der Eucharistiefeier.
Die Rolle der Bischöfe als Seelsorger für die ihnen anvertrauten Menschen spielt in der Meinwerk-Ausstellung eine große Rolle. Nur wenn sie den geistlichen wie den weltlichen Aufgaben gleichermaßen gerecht wurden, betrachtete man sie als ideale Amtsinhaber. Dafür ließen sie auch Kirchen und Klöster errichten und statteten diese nach dem Vorbild der weltlichen Herrscher mit wertvollen Geräten und Büchern aus.
Zur Zeit Meinwerks wurde besonders die Liturgie, der Dienst am Altar, prächtig ausgestaltet. Dazu zählten nicht nur die Kleidung des Bischofs und das Zeremoniell seiner Einkleidung, sondern auch die Ausstattung des Altares. Das Diözesanmuseum zeigt dazu die Glockenkasel – das Übergewand – des heiligen Bernhard von Clairvaux aus byzantinischer Seide und einzigartige Handschriften. Zum ersten Mal außerhalb von Hildesheim zu sehen sind die beiden filigran gearbeiteten silbernen Leuchter, die Bischof Bernward von Hildesheim selbst für den Gottesdienst gestiftet hat.
Eines der kostbarsten Exponate der Sonderausstellung ist die Lebensbeschreibung des heiligen Audomarus aus Saint-Omer in Nordfrankreich. Diese reich bebilderte Handschrift aus dem 11. Jahrhundert wird mit Unterstützung durch die Stiftung der Sparkasse Paderborn in der Ausstellung präsentiert und ist bis zum 21. Februar im Museum in der Kaiserpfalz zu sehen.
Die Ausstellung beginnt im Museum in der Kaiserpfalz mit einem der „wichtigsten, teuersten und schönsten Exponate“, wie Museumsleiter Dr. Martin Kroker erklärt: der Vita Sancti Audomari, der im 11. Jahrhundert angefertigten Lebensbeschreibung des heiligen Audomarus. „Wir haben in der Ausstellung die Seite aufgeschlagen, die die Einsetzung von Audomarus durch König Dagobert I. (629–639) zum Bischof von Thérouanne zeigt. Das Bild ist eine der ganz seltenen zeitgenössischen Darstellungen mit dem Thema der Bischofsernennung und es zählt zu den schönsten“, erläutert Kroker. „So wie hier können wir uns auch die formelle Einführung von Bischof Meinwerk im Jahr 1009 vorstellen.“
Die vielfarbige Darstellung zeigt Dagobert und Audomarus in gleicher Größe und damit gleichberechtigt nebeneinander sitzend. Sie sind an den Insignien ihrer Macht zu erkennen: der Herrscher an Krone und Königsstab, der Bischof an Heiligenschein, Messgewand und Buch. Den Bischofsstab halten die Würdenträger gemeinsam mit ihren rechten Händen.


Der König setzt den Bischof ein. Dieses Bild gilt als eine der schönsten Darstellungen einer Bischofsernennung. Foto: lwl

19.05.2012
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