Gruppen „ungewöhnlicher Menschen“ treffen sich zu gemeinsamen Aktivitäten in Lünen
„Anders“ und doch mitten im Leben
Lünen. Sie nennen sich „Gummi“. „Gummi“, das ist die Abkürzung für „Gemeinschaft ungewöhnlicher Menschen mit Initiative“. Die Mitglieder treffen sich in Gruppen und in lockerer Runde in ihrem „Café“ im Wohnheim am Lüner Busbahnhof. Den Menschen nach seinen ureigenen Fähigkeiten in die „Mitte des Lebens“ zu stellen, das ist für die Betreuer der körperlich und geistig Behinderten, die sich in der „Gummi“ zusammengefunden haben, das Wichtigste.
von Elisabeth Plamper
„Mit unserem Engagement möchten wir sie an dem ganz normalen Leben“ teilhaben lassen“, sagt Ursula Schlienkamp. „Wertschätzung ist für die Behinderten nicht selbstverständlich, aber sehr wichtig.“ Gemeinsame Aktionen wie beispielsweise Kegeln, Ballspiele, Kochen, ein Bummel durch die Stadt oder Kinobesuche sorgen für ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl.
Die Jugend- und Erwachsenengruppen bestehen schon seit elf Jahren und zählen 14 Mitglieder im Alter zwischen 14 und 45 Jahren und 16 Mitglieder zwischen 25 bis 69 Jahren. Sie treffen sich wöchentlich im Pfarrzentrum St. Marien und im „Multikulturellen Zentrum“ in Lünen-Süd. „Zusätzlich zu den wöchentlichen Gruppenstunden unternehmen wir auch Ausflüge und Fahrten in die Städte der Umgebung oder auch schon einmal nach Hamburg.“
Seit 2004 gibt es das „Café“ im Wohnheim am Busbahnhof. Dort sind auch drei Computer im Einsatz, mit denen die Gäste sich mit verschiedenen EDV-Programmen vertraut machen und im Internet surfen können. Die meisten kommen aus dem „betreuten Wohnen“ im Heim selbst, andere aber auch aus der Kolpingsfamilie „Lünen-Alt“. Zudem gründete sich 2005 eine eigenständige Kreativgruppe.
22 Betreuer engagieren sich derzeit in den Gruppen. Ursula Schlienkamp: „Zum großen Teil sind es Jugendliche, die aktiv sind. Sie übernehmen Verantwortung und arbeiten freudig mit den Menschen mit Behinderungen zusammen.“ Judith Jaß (20), Natalie Asser (16) und Alexander Müller (23) kommen aus der Jugendarbeit der Kirchengemeinde St. Norbert.
Die jungen Erwachsenen betreuen derzeit die Jugendgruppe im Multikulturellen Zentrum. „Es macht einfach Spaß ihnen Gutes zu tun“, erklären sie. „Es kommt so viel zurück.“ Und Ursula Schlienkamp fügt hinzu: „Eine wichtige Erfahrung für mich ist die Erkenntnis, dass sich Menschen mit Behinderungen freuen, wenn jemand anderes etwas kann, was sie selber niemals schaffen können.“
Einige der Jugendlichen haben nach der Gruppentätigkeit eine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Dienst aufgenommen. Wichtig ist der Initiatorin auch die Integration ihrer „Schützlinge“ in die Kirchengemeinden. So besteht unter anderem ein enger Kontakt zur Kolpingsfamilie. „Sie duldet nicht nur die Menschen mit Behinderungen, sondern nimmt sie freudig auf und lädt uns auch zu ihren Veranstaltungen ein.“ Eigene Veranstaltungen wie beispielsweise die Benefizkonzerte im Pfarrzentrum Herz.-.Jesu „Stadtmitte“ bieten ebenfalls eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. Zwei Konzerte gab es bereits. Das dritte ist in Planung.
„Diese Benefizkonzerte sind für uns sehr wichtig“, betont Ursula Schlienkamp. „Zum einen möchten wir gerne finanzielle Mittel für besondere Aktivitäten zur Verfügung haben, aber die Solidarität der Musiker für Menschen mit Behinderungen ist ebenso wichtig.“
Für die Zukunft plant sie und ihr Betreuerteam eine Kindergruppe. „Gerne möchten wir Kindern ab dem siebten Lebensjahr die Möglichkeit geben, im Umgang mit anderen Kindern Erfahrungen zu sammeln.“ „Gummi“ ist in Lünen derzeit die einzige Gruppe, die Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderungen anbietet und zudem im Behindertenrat vertreten ist.







