Bestwiger Schwestern wollen alle Einrichtungen in eigener Trägerschaft erhalten
Anders durch Barmherzigkeit
Bestwig. Die „Umwelten“ ihrer Einrichtungen und Dienste haben die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel (SMMP) mit ihren leitenden Mitarbeitern bei einer Herbsttagung in den Blickpunkt genommen. Drei Tage lang setzten sie sich im Bergkloster Bestwig mit der Frage auseinander, wie es angesichts des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks und wachsender Herausforderungen gelingen kann, das Charisma der Ordensgemeinschaft spürbar werden zu lassen und weiterzugeben.
In Bestwig befindet sich das Europäische Provinzialat der Gemeinschaft. Hier sind auch viele zentrale Verwaltungs- und Servicebereiche für ihre 30 Einrichtungen und Dienste in Deutschland ansässig, in denen die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel rund 3 000 Mitarbeiter beschäftigen.
Die Generaloberin des Ordens, Schwester Aloisia Höing, unterstrich, dass sich sowohl das Generalkapitel als auch das Provinzkapitel eindeutig für den Erhalt der Einrichtungen in eigener Trägerschaft ausgesprochen habe – trotz der zurückgehenden Zahl von Ordensschwestern: „Sie garantieren, nah am Menschen und am Nerv der Gesellschaft zu bleiben. Über sie können wir mithelfen, die Gesellschaft zu prägen.“ Schließlich sei es auch das Bestreben des Ordens, Arbeitsplätze zu erhalten und Ausbildungsplätze zu schaffen. Schwester Aloisia hob hervor, „dass unsere Ordensgemeinschaft unsere Einrichtungen im Geist unserer Gründerin führt und prägt, aber auch, dass unsere Einrichtungen in ihrer Vitalität und Aktualität uns als Ordensgemeinschaft prägen.“
Zu der Tagung hatten der Geschäftsführer der SMMP-Einrichtungen und Dienste, Ludger Dabrock, sowie die beiden Geschäftsfeldleiter für die Seniorenhilfe und den Bildungsbereich, Andrea Strakgraff und Michael Bünger, auch zwei externe Referenten geladen: den Direktor der Geschäftsstelle Köln der „Bank für Sozialwirtschaft“, Norbert Küsgen, sowie den Geschäftsführer des Lebensmittelgroßhändlers „JOMO GV-Partner“ aus Weeze, Hans-Gerd Janssen. Dabei kristallisierten sich zwei wichtige Erkenntnisse heraus. Norbert Küsgen wies darauf hin, dass der finanzielle Spielraum für viele soziale Einrichtungen jetzt schon sehr eng sei: „2008 haben wir jede zweite Kreditanfrage wegen einer zu geringen Eigenkapitalquote oder zu schlechter Zukunftsaussichten abgelehnt.“ Und Hans-Gerd Janssen verwies darauf, dass der Druck auf die Sozialsysteme 2010 angesichts höherer Staatsverschuldung und steigender Arbeitslosigkeit noch größer werde: „Es gibt nur drei Möglichkeiten, zu be- stehen: besser, billiger oder anders.“ Für die Schwestern der hl. Maria Magdalena
Postel gilt vor allem die Devise „Anders“ – anders durch eine Atmosphäre von Christlichkeit und Barmherzigkeit, wie Schwester Aloisia und Ludger Dabrock übereinstimmend betonten.
Wie sehr sich die Einrichtungen dabei neuen Rahmenbedingungen anpassen, stellten die 50 leitenden Mitarbeiter bei der Tagung selbst heraus: Im Bereich der Bildungseinrichtungen sind das zum Beispiel neue inhaltliche Konzepte und Schwerpunktbildungen – vor allem in der Schaffung neuer Ganztags- und Betreuungsangebote an den Schulen: „Die Gelder aus dem sogenannten Konjunkturpaket II bieten dafür gute Möglichkeiten“, sagt Michael Bünger. Davon profitierten auch das Walburgisgymnasium und das „Placida Viel Berufskolleg“ in Menden sowie das Berufskolleg Bergkloster Bestwig. Für die stationären und ambulanten Einrichtungen aus der Seniorenhilfe – wie dem Haus Maria in Geseke – steht 2010 das Erreichen der nächst höheren Zertifizierungsstufe, des Siegels „recognised for excellence“ an. Dabei spielt der Ausbau der Angebote für Demenzerkrankte eine wichtige Rolle.
Um die Senkung von
Kosten und höhere Kompetenz geht es schließlich beim Anfang 2009 neu gegründeten Klinik-Verbund „Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord“, an dem die Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel mit dem Gertrudis-Hospital in Herten-Westerholt beteiligt sind. Medizinische und pflegerische Bereiche sowie Teile der Verwaltung könnten dadurch kostensparend zusammengelegt werden, sagte Geschäftsführerin Astrid Pietzner.







