Aktuelle Ausgabe
2012-20

Große Gefühle und renommierte Künstler beim Dalheimer Sommer

„Amor et caritas“ in Kloster Dalheim

20 Veranstaltungen bietet der „Verein der Freunde des Klosters Dalheim“ in diesem Sommer im Klostermuseum an.

Lichtenau-Dalheim. Was ist das Wesen der Liebe? Dieser Frage ist der Sommer im Klostermuseum Dalheim gewidmet. Ist es „amor“, die weltliche, oder „caritas“, die göttliche, die Nächstenliebe? Auf der Suche nach einer Antwort nimmt das Kulturfestival „Dalheimer Sommer“ seine Besucher vom 1. August bis 6. September mit auf eine Reise durch 1 000 Jahre Musik- und Literaturgeschichte. Die 20 Veranstaltungen stehen unter dem Motto: „Amor et caritas“.

Gespielt wird Lessings „Minna von Barnhelm“. Musikalisch liegt der Schwerpunkt auf den „Tagen Alter Musik“, die in der spätgotischen Kirche des ehemaligen Klosters eine passende Umgebung finden.
Die Liebe sei im Dalheimer Sommer allgegenwärtig, sagen die Veranstalter. Ob in der Fest- und Hochzeitsmusik der Komponisten Bach oder Buxtehude beim Eröffnungskonzert am 2. August, im „Ordo virtutum“ der Hildegard von Bingen (9. August) oder in italienischen Liebesliedern (26. August). Liebe ist auch die treibende Kraft in Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barn­helm“ (1767), der wohl berühmtesten deutschen Komödie, die Intendant und Regisseur Dr. Wolfgang Kühnhold inszeniert. „Wir wollen zeigen, dass sie auch heute etwas mit unserem Leben zu tun hat“, sagt Kühnhold. Das jedoch ohne zwanghafte Aktualisierungen, sondern im historischen Gewand: „Bei uns sieht man keine Minna mit Minirock. Die Kostüme sind ebenso wie Bühnenbild im Originalzeitdesign“, sagte Kühnhold, der bei seiner Inszenierung erneut auf das Ensemble der Studiobühne der Universität Paderborn und auf Berufsschauspieler zurückgreifen kann.
Mit seiner hochrangig besetzten Konzertreihe feiert Kühnhold in der weitläufigen Klosteranlage ein „Jahr der Jubilare“. Vertreten sind Felix Mendelssohn-Bartholdy (200. Geburtstag) und Georg Friedrich Händel (250. Todestag) ebenso wie Johann Rosenmüller (325. Todestag). Dabei stehen die „Tage Alter Musik“ mit sechs Veranstaltungen musikalisch im Vordergrund.
Während Maria Jonas ihr „Ordo virtutum“ am
9. August) ganz auf die Bedingungen der Klosterkirche abstellt, gründete der Paderborner Domkapellmeister Thomas Berning für das Konzert zur traditionellen Marien­vesper am 14. August sogar ein neues Barockorchester, die „Camerata Palatina Paderborn“. Das 13-köpfige „Johann-Rosenmüller-Ensemble“ erfüllt am 5. September die Klosterkirche mit der Atmosphäre einer klösterlichen Komplet des 17. Jahrhunderts. Dalheim werde so seinem „Ruf als Hochburg für Alte Musik in Westfalen“ gerecht, ist Kühnhold sicher.
Zwei Konzerte machen den Dalheimer Sommer komplett: Vivaldis „Fünf Jahreszeiten“ für fünf Saxophone (22. August) mit dem „Ensemble Quintessence“, dazu das Gastspiel des Vokalensembles der Abdinghofkirche Paderborn mit Motetten zu Ehren Felix Mendelssohn-Bartholdys am 23. August. Erstmals gibt es in diesem Jahr keine Vigilie und keine Matinee, stattdessen gestaltet Kühnhold gemeinsam mit dem „Duo Kirchhof“ zum ersten Mal die „Musikalischen Nachtgedanken“ am 28. August, am Vorabend des Klostermarkts, bei dem am 29. und 30. August wieder zahlreiche Ordensgemeinschaften ihre Produkte anbieten.
Ins Leben gerufen wurde das Festival „Dalheimer Sommer“ vor 13 Jahren durch den „Verein der Freunde des Klosters Dalheim“. Dessen stellvertretende Vorsitzende, Gabriele Schäfers, hofft nun, auch bei den Jüngsten die Liebe zur Musik und zum Theater zu wecken. Dafür wird der Kartenpreis für Kinder bis 12 Jahre auf die Hälfte reduziert.
Seinen ersten Dalheimer Sommer erlebt der neue Leiter des Landesmuseums für Klosterkultur, Dr. Martin Kroker: „Das Festival ist für uns einer der Höhepunkte des Veranstaltungsjahres.“ Derzeit läuft in der Klosteranlage der zweite Bauabschnitt zur Umgestaltung des über 550 Jahre alten Klostergebäudes in ein modernes Museum. Mehr als 3000 Quadratmeter Ausstellungsfläche werden geschaffen, der „Lange Garten“ und die zweite Terrasse des Konventgartens können noch in diesem Sommer fertiggestellt werden. „Besucher werden durch die Bauarbeiten nicht gestört“, verspricht Kroker. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und das Land NRW investieren zusammen weitere 14 Millionen Euro in das Museum.

 

Karten, Info und Programmbestellung montags bis freitags, 10-18 Uhr unter Tel. 0 52 92 / 93 19-2 24, Internet: www.dalheimer-sommer.de. Kinder bis 12 Jahre zahlen erstmals nur die Hälfte.


19.05.2012
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