Früher Zivis, heute Freiwilligendienstler: Junge Leute beleben die Caritas-Tagespflege in Lippstadt
„Am Ende können alle Eierstich“

- Roland Meiwes (l.) war der letzte Zivildienstleistende, der in der Caritas-Sozialstation Lippstadt gearbeitet hat. Er gab den symbolischen Stab weiter an Niclas Bertelt (r.), der am 1. August den Bundesfreiwilligendienst antrat. Bernd Müller, Leiter der CSS Lippstadt, freut sich über das Engagement.
Lippstadt. „In Glanzzeiten hatten wir bis zu acht Mann gleichzeitig!“ Diese Männer, das waren die Zivildienstleistenden, die für Bernd Müller, Leiter der Caritas-Sozialstation Lippstadt, und sein Mitarbeiterteam, ganz wertvolle Helfer waren. „In meinen achtzehn Jahren waren es mehr als hundert“, erinnert sich Müller. Die Zeit der Zivis ist vorbei. Roland Meiwes, der letzte Zivi, der in der Klosterstraße gearbeitet hat, hat sich nach insgesamt vierzehn Monaten verabschiedet. Er übergab den Stab symbolisch an Niclas Bertelt, der am 1. August seinen ersten Tag als BFDler in der CSS Lippstadt antrat.
BFD: Das ist die Abkürzung für den Bundesfreiwilligendienst, der am 1. Juli 2011 in Kraft trat. Er steht Erwachsenen jeden Alters offen und kann zwischen sechs und 24 Monaten dauern, die Regel sollte ein Jahr sein. Hier können junge Erwachsene als BFDler ganz neue Erfahrungen sammeln. Auf dieses „Abenteuer“ hat sich nun auch der 19-jährige Lippstädter eingelassen.
Der Tipp, zur Caritas zu gehen, kam von der Mutter: „Frag doch mal bei Herrn Müller. Das soll ein guter Chef sein“, riet sie ihrem Sohn, als der nach bestandenem Fachabitur (BWL) überlegte, wie er die Zeit bis zur gewünschten Berufsausbildung überbrücken sollte. „Komm mal vorbei“, lud Bernd Müller den jungen Mann beim telefonischen Kontakt ein. Was er beim ersten Besuch in der Sozialstation erfuhr, was er bei den ersten Kontakten mit den Gästen der Tagespflege erlebte – all das trug dazu bei, dass sich Niclas Bertelt entschloss, hier den Bundesfreiwilligendienst anzutreten. „Es ist schon eine Umstellung“, darauf hatte ihn Müller hingewiesen. Also trat Niclas seinen Dienst an, nachdem er zuvor den üblichen Probetag absolviert hatte. „Am Abend des ersten Tags hatte ich schon Kopfschmerzen“, bekennt er ohne Scheu, „das lag aber am Wetter.“
An den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in der Sozialstation Lippstadt kann es nicht gelegen haben: Sie freuen sich über die jungen Menschen, die sich sozial engagieren. Und die Gäste der Tagespflege? „Die jungen Leute mit den Alten, das kommt total gut. Das sind alles Enkel“, weiß Müller, dass der Kontakt zwischen den Generationen klappt. „Die Zivis und jetzt die BFDler nehmen was fürs Leben mit.“ Das ist sogar wörtlich zu verstehen: In der Tagespflege beispielsweise stehen die jungen Menschen mit den Gästen im Alter zwischen 70 und 95 Jahren in der Küche und kochen gemeinsam. Da werden gute Rezepte weitergegeben und Bernd Müller ist sich sicher: „Von unseren Zivis können am Ende alle Eierstich.“
450 Senioren werden in der Sozialstation Lippstadt betreut, 140 bis 160 Essen auf Rädern werden regelmäßig verteilt und täglich besuchen 20 Gäste die Tagespflege. Und überall werden die jungen Menschen gebraucht. „Ich habe Gäste zum Arzt begleitet, das Essen verteilt und mich viel mit ihnen unterhalten“, blickt der 20-jährige Roland Meiwes auf die 14 Monate zurück, die er als Zivildienstleistender in der Sozialstation verbracht hat. „Es gibt nichts Negatives zu erzählen.“ Dass er, nachdem er seinen Zivildienst angetreten hatte, in der Tagespflege sogar die eigene Oma betreuen durfte, war natürlich ein besonderes Highlight. Aber auch die Erinnerung an die alte Dame, mit der er sich bei den Fahrten zum Arzt so gut verstanden hat und die dann starb, ist wichtig: „Da war ich traurig, das geht nahe. Es sind wichtige Dinge und gute Erfahrungen, die ich von hier mitnehme.“
Keinen Tag hat er es bereut, dass aus den ursprünglich sechs Monaten als Zivi schließlich 14 wurden. Die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn an der Höheren Handelsschule sinnvoll verbringen – dieser Plan ist für ihn aufgegangen. Und wird hoffentlich auch für die neuen BFDler aufgehen. Niclas Bertelt bleibt nicht lange allein, am 1. September kommt ein zweiter ins Haus an der Klosterstraße 37. Gebraucht aber werden mehr. „Einfach mal unter 02941/284880 anrufen“, lädt Bernd Müller junge Menschen ein, sich über den Bundesfreiwilligendienst in der Caritas-Sozialstation Lippstadt zu informieren. Möglich ist das soziale Engagement unter anderem auch in der Tagespflege Anröchte, im Altenheim Lippstadt und in der Geschäftsstelle Soest.






