In Bielefeld-Sieker können die ersten „Stadtteilmütter“ ihren ehrenamtlichen Dienst aufnehmen
Als Mütter zu Müttern sprechen

- Begleiten ab sofort den Bielefelder Stadtteil Sieker als „Stadtteilmütter“ (v. l.): Maria Müller, Dalia Kacan, Nageswary Thavachelvam, Gurbeet Demir, Sevtap Harman, Sozialarbeiterin Doris Marxcord, Gülbahar Gündüz und Sabire Akcay. Ihre Ernennungsurkunden bekamen sie jetzt vom städtischen Sozialdezernenten Tim Kähler (l.) überreicht. Foto: Niggenaber
Bielefeld. Sie nennen sich liebevoll „Stadtteilmütter“. Klingt abwegig oder abgehoben? Ist es aber nicht, im Gegenteil: Denn in ihrer Funktion wollen die sieben vom Sozialdienst katholischer Frauen Bielefeld (SkF) ausgebildeten, ehrenamtlich tätigen Frauen den Aufgaben einer Mutter vom Prinzip her künftig ziemlich nahekommen. Ihr gemeinsames Kind: Der Bielefelder Stadtteil Sieker mit seinen mehr als 5 000 Einwohnern.
von Stefan Niggenaber
Eingebunden in das Landesprogramm „Soziale Stadt“, an dem die Stadt Bielefeld mit der Entwicklung Siekers teilnimmt, hat der SkF Bielefeld das Projekt „Stadtteilmütter“ bereits vor einigen Monaten übernommen. Über ein halbes Jahr lang qualifizierten die Bielefelder Sozialarbeiterinnen Doris Marxcord und Alwine Saalmann-Brinkmeier vom SkF sowie zahlreiche weitere Gastreferenten sieben ausgewählte Mütter aus dem Stadtteil Sieker daraufhin in den Themen Bildung, Gesundheit, Erziehung, Sprache, Integration sowie Probleme des alltäglichen Lebens von Migrantenfamilien. Gewonnen werden konnten für das Projekt im Vorfeld bereits sieben Mütter direkt aus dem Wohngebiet Sieker mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, die durchweg gut Deutsch sprechen und zudem bei ihren jeweiligen Ethnien eine hohe Akzeptanz genießen.
Auf eigenen Wunsch wollen die frisch gebackenen Stadtteilmütter nun ihr theoretisches Wissen in den kommenden Monaten und Jahren möglichst rasch in der Praxis einsetzen, dabei als Mütter zu Müttern sprechen (wenn nötig auch in der jeweiligen Muttersprache), die hilfesuchenden Familien zu Hause besuchen, bei Behörden-Gängen helfen und interessierten Eltern Informationen rund um die Kindererziehung, Sprachförderung oder Bildung an die Hand geben oder auf Wunsch auch Informationsveranstaltungen für die Eltern organisieren und durchführen. Möglich sei das sogar in mehreren Sprachen, erklärt Doris Marxcord – in den Sprachen Deutsch, Türkisch, Kurdisch, Arabisch, Tamilisch, Russisch und Englisch. „Zu den Aufgaben der Stadtteilmütter“, so die Bielefelder Sozialarbeiterin weiter, gehöre zudem die Vermittlung und Begleitung zu anderen Einrichtungen im Stadtgebiet – sodass aus dem Projekt und der Beratung eine runde Sache würde.
Dass es die Stadtteilmütter dabei mit keiner leichten Aufgabe zu tun haben werden, machte bei einer kleinen Feierstunde samt Übergabe der offiziellen Ernennungsurkunden noch einmal SkF-Geschäftsführerin Gabriele Linek deutlich. Der Stadtteil Sieker, in dem mehr als 5 000 Menschen aus mehreren Dutzend Nationen leben, sei gekennzeichnet als „sozialer Brennpunkt mit sozial schwachen Familien, von denen viele einen Migrationshintergrund haben“. In der stadtteilorientierten Kinder- und Erwachsenenarbeit habe sich der SkF Bielefeld daher schon seit Jahren die Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz auf die Fahnen geschrieben. Als feste Anlaufstelle, von der auch rege Gebrauch gemacht werde, habe sich das Eva-Gahbler-Haus mittlerweile mehr als etabliert.
Auch der städtische Sozialdezernent Tim Kähler, der die Urkunden im Namen der Stadt Bielefeld überreichte, konnte und wollte sich bei der Feierstunde im Eva-Gahbler-Haus lobende Worte ausdrücklich nicht verkneifen. Das Projekt sei „vorbildlich und super“ und zeige, „dass in Bielefeld-Sieker noch viele Schätze liegen, die künftig noch gehoben werden wollen“.






