Die Confraternität St. Sebastian in Attendorn eröffnet ihr Jubiläumsjahr
525 Jahre Tradition
Attendorn (jon). Ihr Zweck war das Seelenheil ihrer Mitglieder: Im Mittelalter wurden vielerorts kirchliche Bruderschaften gegründet. Die „Confraternität St. Sebastian“ in Attendorn existiert noch heute. In diesem Jahr feiert sie ihr 525-jähriges Bestehen. Als Gründungsdatum gilt der 5. November 1484.
von Meinolf Lüttecke
Nur einmal im Jahr wird am Sebastians-Seitenaltar im Sauerländer Dom in Attendorn eine heilige Messe gefeiert– und zwar zum Patronatsfest der Confraternität. In diesem Jahr bildete die Messe gleichzeitig die Eröffnung der Feier zum 525-jährigen Bestehen der Confraternität St. Sebastian. Alles strahlte festlich, am Sebastians-Seitenaltar brannten neue Kerzen, und ein Blumenbukett mit Schützenschleife war aufgestellt worden. Neben den Mitgliedern der Confraternität waren diesmal auch in großer Zahl die Gläubigen gekommen. Der Zelebrant, Domkapitular und Attendorns Schützenvikar Josef Vorderwülbeke, freute sich, dass neben den Sebastianern die Gläubigen in so großer Anzahl zur Eucharistiefeier gekommen waren. Seit 2 000 ist er auch geistlicher Beirat der Confraternität.
Aus der Geschichte der Confraternität geht hervor, dass der Erzbischof Hermann IV. von Köln die Stiftung einer Vikarie zu Ehren der Heiligen Sebastian, Antonius, Wolfgang, Mutter Anna und Elisabetha am 5. November 1484 bestätigte. Bei dieser Stiftung durch die Attendorner Schützen wird erstmals von den „zwölf Principalen“ gesprochen, der späteren Sebastians-Confraternität. In Attendorn verwaltete die Sebastians-Confraternität ein eigenes Haus, umfangreichen Grundbesitz und einen Altar in der Pfarrkirche; außerdem leistete man sich einen eigenen Vikar. Seit der Gründung besteht die Confraternität ununterbrochen. Heute fungiert sie quasi als „Aufsichtsrat“ der Schützengesellschaft, die 1222 gegründet wurde, und unterstützt wohltätige Zwecke. Ein größeres Projekt war und ist der Bau und die ständige Erweiterung des Pavillons im Caritas-Seniorencentrum St. Liborius in Attendorn. In den vergangenen neun Jahren hat die Confraternität insgesamt schon 80 000 Euro dafür investiert. Jährlich erhält die Attendorner Tafel eine Spende. Auch Gemeinschaften mit älteren Menschen werden regelmäßig unterstützt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg trat die Confraternität 1956 erstmals wieder zusammen. Eine besondere Ehrung wurde der Confraternität durch Papst Pius XII. am 26. Oktober 1950 mit der Verleihung des Anno-Sancto-Kreuzes zuteil.
Eine weitere Aufgabe kommt der Confraternität laut Satzung zu: In Streitfällen innerhalb der Schützengesellschaft Attendorn soll man als Schlichter fungieren. Die Confraternität besteht normalerweise aus insgesamt 24 Personen, und zwar aus zwölf „Prinzipalen“, elf „Confratres“ und dem geistlichen Beirat, Pfarrer Josef Vorderwülbeke. Ein Mitglied ist im Herbst verstorben, deshalb sind es zurzeit nur 23 Mitglieder. Sie sind auf Lebenszeit gewählt. Ist ein Mitglied verstorben, werden verdiente Mitglieder der Schützengesellschaft vorgeschlagen und unter ihnen gewählt. Am längsten ist Dr. Gottfried Viegener dabei. Er wurde 1962 in die Confraternität gewählt.
Bruderschaften wurden im Mittelalter hauptsächlich als Gebetsverbrüderungen gegründet, die das Gedächtnis für die Toten garantieren sollten durch Totenmessen und Gebete für die Verstorbenen. Die beiden bekanntesten mittelalterlichen Bruderschaften Attendorns sind die Nicolai-Confraternität von 1328 und die Sebastians-Confraternität. Während die Nicolai-Confraternität einen Zusammenschluß der Attendorner Kaufmannschaft darstellte, bestand die Sebastians-Confraternität aus den Attendorner Schützen. Im Laufe der Jahrhunderte schlief die eigentlich aus den Schützenbrüdern bestehende Bruderschaft ein und bestand bereits im 18. Jahrhundert nur noch aus den zwölf Prinzipalen.







