Dr. Sonja Sailer-Pfister über eine Theologie der Arbeit angesichts der Wirtschaftskrise
„Arbeit ist Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes“
Arbeit sollte für den Menschen viel mehr als nur Broterwerb sein. Diese schmerzliche Erfahrung machen nicht zuletzt Arbeitslose. Dr. Sonja Sailer-Pfister hat sich in ihrem Gastbeitrag mit der theologischen Dimension des Themas Arbeit befasst.
von Dr. Sonja Sailer-Pfister
Die Wirtschafts- und Bankenkrise ist mittlerweile täglich das Hauptthema der Nachrichten und der Tagespresse. So steht auch das Thema Arbeit wieder auf der Agenda politischer, soziologischer und ethischer Debatten. Dabei wird unter Arbeit in der modernen Gesellschaft ausschließlich Erwerbsarbeit verstanden, also eine Tätigkeit, die bezahlt wird. Obwohl 2006 fast fünf Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet waren und der Ruf nach einem neuen Arbeitsverständnis laut wurde, hat sich im Bewusstsein der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure nichts verändert.
Das Nachdenken über einen neuen ganzheitlichen Arbeitsbegriff ist auch ein zentraler Punkt einer Theologie der Arbeit, die sich dem Erkennen der „Zeichen der Zeit“ verpflichtet weiß, wie es im II. Vatikanischen Konzil in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ grundgelegt ist.
Ausgangspunkt einer theologischen Reflexion ist das christliche Menschenbild, das den Menschen als Geschöpf Gottes und als Gottes Ebenbild definiert. Arbeit ist dann Ausdruck dieser Gottebenbildlichkeit und Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes.
In diesem Kontext ist Arbeit nicht jede stumpfsinnige monotone Tätigkeit, sondern eine verantwortungsvolle Tätigkeit und die Beauftragung des Menschen durch Gott, seine natürliche Umwelt zu bewahren und die Gesellschaft menschenwürdig und gerecht zu gestalten. Der Mensch leistet durch seine Arbeit seinen je eigenen Betrag zur Schöpfung Gottes.
Durch die Menschwerdung Gottes bekommt die menschliche Arbeit eine neue Qualität. Sie wird zum Medium der Realisierung des durch Jesus Christus angebrochenen Reich Gottes. Auch hier ist eine Arbeit gemeint, die reich-gottes-verträglich ist, das heißt die ein Leben in Fülle für alle zum Ziel hat. Eine Theologie der Arbeit muss auch die Ambivalenz und die negativen Erfahrungen, die Menschen durch ihre Arbeit machen, reflektieren. Viele Menschen haben nicht das Gefühl, dass sie einer sinnvollen Aufgabe nachgehen oder gebraucht werden, sondern dass sie ausgenutzt werden und gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten unter immer größeren Druck geraten. Diese Ambivalenz der Arbeit drückt die Deutung menschenunwürdiger Arbeit und Arbeitslosigkeit als strukturelle Sünde aus. Sünde hat nicht nur eine individuelle, sondern auch eine soziale und strukturelle Dimension, das heißt gesellschaftliche Strukturen, die menschenunwürdige Arbeit zulassen, die Frauen benachteiligen und die Menschen von der Möglichkeit ausschließen, für ihre Existenz zu sorgen, sind sündhaft.
Im Sinne eines Korrektivs in unserem von Stress geprägten Alltag steht Arbeit aus theologischer Sicht immer im Horizont der Sabbattradition. Arbeit und Ruhe bilden eine Einheit. Damit Arbeit schöpferisch und sinnvoll bleibt, bedarf sie einer Ergänzung spiritueller Art zur Vergegenwärtigung des bisher Geleisteten, als Gegenpol zu einem beschleunigten Leben. Im religiösen Bereich steht das Feiern von Festen und Gedenktagen in der Liturgie für diese existenzielle Dimension. Gerade die christliche Sonntagstradition kann diese Dimension ansprechen, fördern und in der Liturgie verkörpern.
Aufgrund dieser kurz dargestellten Auswahl theologischer Deutungen der Arbeit werden hier noch einige daraus resultierende und von einer Theologie der Arbeit inspirierte Konsequenzen und Perspektiven aufgezeigt:
Eine Theologie der Arbeit im Kontext der modernen Arbeitsgesellschaft fordert Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Eine Theologie der Arbeit fordert angesichts der strukturellen Grenzen der Erwerbsarbeitsgesellschaft die Entwicklung neuer Gesellschaftsmodelle, um allen Menschen ihre Existenzsicherung zu ermöglichen, Entfaltungs- und Partizipationsmöglichkeiten zu gewähren.
Eine Theologie der Arbeit fordert gesellschaftliches Engagement und inhaltliche Profilierung seitens der Kirchen etwa durch seelsorgerliche Angebote in der Arbeitswelt, durch Parteinahme für die Arbeitslosen und Vorreiterpositionen zur Umgestaltung der Arbeitswelt. Eine Theologie der Arbeit fordert die Kirchen als Arbeitgeber zu einem zukunftsweisenden Umgang mit knapper werdenden Mitteln auf.
Eine Theologie der Arbeit fordert die Kirchen auf, den Sonntag wieder neu für sich zu entdecken und ihn zu gestalten als Zeit der Muße, des Festes und der Liturgie.
Eine Theologie der Arbeit fordert den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags als Zeit, die nicht von der Wirtschaft instrumentalisiert wird.von Dr. Sonja Sailer-Pfister
Die Wirtschafts- und Bankenkrise ist mittlerweile täglich das Hauptthema der Nachrichten und der Tagespresse. So steht auch das Thema Arbeit wieder auf der Agenda politischer, soziologischer und ethischer Debatten. Dabei wird unter Arbeit in der modernen Gesellschaft ausschließlich Erwerbsarbeit verstanden, also eine Tätigkeit, die bezahlt wird. Obwohl 2006 fast fünf Millionen Menschen offiziell arbeitslos gemeldet waren und der Ruf nach einem neuen Arbeitsverständnis laut wurde, hat sich im Bewusstsein der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteure nichts verändert.
Das Nachdenken über einen neuen ganzheitlichen Arbeitsbegriff ist auch ein zentraler Punkt einer Theologie der Arbeit, die sich dem Erkennen der „Zeichen der Zeit“ verpflichtet weiß, wie es im II. Vatikanischen Konzil in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ grundgelegt ist.
Ausgangspunkt einer theologischen Reflexion ist das christliche Menschenbild, das den Menschen als Geschöpf Gottes und als Gottes Ebenbild definiert. Arbeit ist dann Ausdruck dieser Gottebenbildlichkeit und Teilhabe am Schöpfungswerk Gottes.
In diesem Kontext ist Arbeit nicht jede stumpfsinnige monotone Tätigkeit, sondern eine verantwortungsvolle Tätigkeit und die Beauftragung des Menschen durch Gott, seine natürliche Umwelt zu bewahren und die Gesellschaft menschenwürdig und gerecht zu gestalten. Der Mensch leistet durch seine Arbeit seinen je eigenen Betrag zur Schöpfung Gottes.
Durch die Menschwerdung Gottes bekommt die menschliche Arbeit eine neue Qualität. Sie wird zum Medium der Realisierung des durch Jesus Christus angebrochenen Reich Gottes. Auch hier ist eine Arbeit gemeint, die reich-gottes-verträglich ist, das heißt die ein Leben in Fülle für alle zum Ziel hat. Eine Theologie der Arbeit muss auch die Ambivalenz und die negativen Erfahrungen, die Menschen durch ihre Arbeit machen, reflektieren. Viele Menschen haben nicht das Gefühl, dass sie einer sinnvollen Aufgabe nachgehen oder gebraucht werden, sondern dass sie ausgenutzt werden und gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten unter immer größeren Druck geraten. Diese Ambivalenz der Arbeit drückt die Deutung menschenunwürdiger Arbeit und Arbeitslosigkeit als strukturelle Sünde aus. Sünde hat nicht nur eine individuelle, sondern auch eine soziale und strukturelle Dimension, das heißt gesellschaftliche Strukturen, die menschenunwürdige Arbeit zulassen, die Frauen benachteiligen und die Menschen von der Möglichkeit ausschließen, für ihre Existenz zu sorgen, sind sündhaft.
Im Sinne eines Korrektivs in unserem von Stress geprägten Alltag steht Arbeit aus theologischer Sicht immer im Horizont der Sabbattradition. Arbeit und Ruhe bilden eine Einheit. Damit Arbeit schöpferisch und sinnvoll bleibt, bedarf sie einer Ergänzung spiritueller Art zur Vergegenwärtigung des bisher Geleisteten, als Gegenpol zu einem beschleunigten Leben. Im religiösen Bereich steht das Feiern von Festen und Gedenktagen in der Liturgie für diese existenzielle Dimension. Gerade die christliche Sonntagstradition kann diese Dimension ansprechen, fördern und in der Liturgie verkörpern.
Aufgrund dieser kurz dargestellten Auswahl theologischer Deutungen der Arbeit werden hier noch einige daraus resultierende und von einer Theologie der Arbeit inspirierte Konsequenzen und Perspektiven aufgezeigt:
Eine Theologie der Arbeit im Kontext der modernen Arbeitsgesellschaft fordert Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Eine Theologie der Arbeit fordert angesichts der strukturellen Grenzen der Erwerbsarbeitsgesellschaft die Entwicklung neuer Gesellschaftsmodelle, um allen Menschen ihre Existenzsicherung zu ermöglichen, Entfaltungs- und Partizipationsmöglichkeiten zu gewähren.
Eine Theologie der Arbeit fordert gesellschaftliches Engagement und inhaltliche Profilierung seitens der Kirchen etwa durch seelsorgerliche Angebote in der Arbeitswelt, durch Parteinahme für die Arbeitslosen und Vorreiterpositionen zur Umgestaltung der Arbeitswelt. Eine Theologie der Arbeit fordert die Kirchen als Arbeitgeber zu einem zukunftsweisenden Umgang mit knapper werdenden Mitteln auf.
Eine Theologie der Arbeit fordert die Kirchen auf, den Sonntag wieder neu für sich zu entdecken und ihn zu gestalten als Zeit der Muße, des Festes und der Liturgie.
Eine Theologie der Arbeit fordert den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags als Zeit, die nicht von der Wirtschaft instrumentalisiert wird.







