Der älteste KAB-Ortsverein im Erzbistum Paderborn feierte Jubiläum
140 Jahre Lobby für Arbeitnehmer
Witten. Er ist der älteste noch bestehende Ortsverein der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Erzbistum Paderborn und das feierte er jetzt mit vielen Gästen: Die KAB St. Joseph in Witten-Annen. Dabei ist nicht nur das Gründungsjahr bemerkenswert, sondern insbesondere auch die Umstände, unter denen es zur Gründung kam. In Annen gab es im Jahr 1871 gar keine katholische Kirchengemeinde. Vielmehr war die Geburtsstunde der dortigen KAB der Auftakt zum Bau der Kirche.
1871: In Annen gibt es 700 Katholiken, die vor allem aus Fabrikarbeitern, Tagelöhnern, Handwerkern und Bergarbeitern bestanden. Sie sind mit einer evangelischen Oberschicht konfrontiert, die die leitenden Positionen in Betrieben des Bergbaus, der Industrie und den Behörden besetzen. 28 Männer aus Annen und Rüdinghausen beschließen in dieser Situation die Gründung des Männervereins KAB „Concordia“.
Der Verein macht es sich zum Ziel, eine katholische Kirchengemeinde aufzubauen, die für die gebeutelte Bevölkerung ein Ort der Integration und Verwurzelung werden soll, um die immer dringlicher werdenden Aufgaben im sozialen und schulischen Bereich zu meistern.
Am 24. Dezember 1871 feiert der Missionsvikar Rubarth die erste heilige Messe in einem Wirtshaus in Annen. Dann wird zunächst eine katholische Privatschule gegründet, bevor man mit dem Bau der Kirche St. Joseph begann. Zehn Jahre später, 1881, konnte die erste Messe im neuen Gotteshaus gefeiert werden. Später benannte man sich nach der Kirchengemeinde in KAB St. Joseph um.
1921 hat der Verein schon 400 Mitglieder. Nach dem Verbot der KAB durch die Nationalsozialisten arbeitet der Verein im Untergrund weiter und macht sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch wieder im öffentlichen Leben und vor allem in der Kirchengemeinde bemerkbar.
Heute hat der Verein noch knapp 40 Mitglieder mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren. Unter seinem Vorsitzenden Gerhard Wasmuth wird die Vereinsarbeit jedoch nach wie vor aufrechterhalten, auch wenn das immer schwieriger wird in einer Zeit, in der es an tatkräftigem Engagement junger Leute mangelt.
In einem festlichen Gottesdienst betonte der Präses der KAB, Pfarrer Friedrich Barkey, die Notwendigkeit des ehrenamtlichen Engagements in Kirchengemeinden durch Vereine und Verbände. Wer auf deren gemeinnützige Arbeit nicht verzichten wolle, müsse sich überlegen, ob er nicht auch selbst einen Beitrag dazu leisten könne, sagte Präses Barkey.
Im Vorfeld der Feier hatte Gerhard Wasmuth statt Präsente um Geldspenden für die international tätige Hilfsorganisation der KAB, das Weltnotwerk, gebeten. Fast 1000 Euro kamen zusammen.
Nun wünscht sich der Ortsverein nur noch eines: Dass sich jüngere Menschen melden, die die Geschicke des Vereins in die Hände nehmen, damit 2021 auch noch das 150-jährige Jubiläum gefeiert werden kann.






