Aktuelle Ausgabe
2010-35


Idyllisch gelegene Kapellen laden im Voralpenland zur Einkehr

Wallfahrten zu den vier Felsen

Abseits berühmter Gnadenorte gibt es in den oberbayerischen Bergen eine Reihe idyllischer Wallfahrtskirchlein. Birkenstein, Petersberg, Klobenstein und Streichen verbindet bei aller unterschiedlichen Prägung eines: das Zusammenspiel von Felsen, Kapelle und Wirtshaus in malerischer Landschaft. Dieser Dreiklang zieht Pilger, Ausflügler und Familien gleichermaßen an. 

Text: Christoph Renzikowski Fotos: Katharina Ebel (KNA) 

Die Wallfahrtskapelle Maria Himmelfahrt in Birkenstein in der Fischbachau feiert 2010 Jubiläum: Vor 300 Jahren wurde sie nach dem Vorbild des Heiligen Hauses von Loreto am Fuße des Breitensteins über einem Felsen am Waldrand errichtet. Die etwa 50 Jahre später entstandene Rokoko-Einrichtung ist bis heute unverändert erhalten. Vom irdischen „Raum des Glaubens“ werden die Augen des Betrachters in den verspiegelten „Raum der Verherrlichung“ gelenkt, der keine Grenzen mehr kennt. Ein Birkenhain mit einem hölzernen, überdachten Freialtar gehört zum Ensemble dazu, das ein rauschender Bergbach begrenzt.

Eresta Mayr ist die gute Seele Birkensteins. Seit 51 Jahren verrichtet die Arme Schulschwester den Küsterdienst. „Ich kenne jeden Stein hier“, sagt sie. Ihre hellwachen Augen bemerken sofort, wenn jemand ihren Zuspruch braucht, zum Beispiel Pilger, die nicht wissen, wie sie ihr Anliegen in Worte fassen sollen.

Die Ordensfrau erinnert sich an eine Schar Wandersleute. Sie sorgten sich um ihren Arbeitskollegen, denn der lag mit einer Gehirnblutung im Krankenhaus. Recht hilflos kamen sie ihr vor. Die Schwester lud die Männer zum gemeinsamen Gebet ein: Vaterunser, Gegrüßest seist Du Maria. Langsam wurden die zaghaften Stimmen fester. Nach 20 Minuten war es gut. Ein Vierteljahr später kamen sie wieder – mit ihrem gesunden Kameraden.

Ein volkstümlicher Marienwallfahrtsort ist Birkenstein bis heute. Von Gebetserhörungen künden zahllose Votivbilder, die dicht an dicht an den Seitenwänden der Kapelle hängen. Spektakuläre Wunder sind nicht das, was Birkenstein ausmacht, sagt Schwester Eresta. Alltagsnöte lassen die Menschen kommen: die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, das Gebet um einen guten Partner für die Enkelin, aber auch für ein gerechtes Urteil bei Erbstreitigkeiten.

Seit 25 Jahren führt die Schwester sorgsam Buch über das Wallfahrtsgeschehen. Es berichtet von einem regelrechten Boom. Jede zweite Fußwallfahrt ist nach 1980 entstanden. Um registriert zu werden, müssen die Pilger schon zehn Jahre hintereinander kommen. „Vorher sind das Eintagsfliegen“, sagt die Ordensfrau.

Bei der Auffahrt zum Peterskirchl drehen die Räder des schweren Geländewagens leicht durch. Angesichts der Hitze zieht der Flintsbacher Pfarrer Josef Steinberger das Auto dem beschwerlichen Fußweg vor. Er hat eine Sondergenehmigung. Am Abzweig von der Fahrstraße zum Hohen Asten beginnt der Apostelweg. Auf zwölf Bronzetafeln hat der Rosenheimer Bildhauer Josef Hamberger 1978 die engsten Gefährten Jesu dargestellt. Alle haben eine Botschaft für die Vorbeigehenden. So mahnt Judas, der Jesus für 30 Silberlinge an seine Häscher verriet: „Widersteht der Versuchung“.

Vom Petersberg bietet sich ein fantastischer Blick über Inntal und Oberland. Pfarrer Steinberger hat nichts dagegen, dass der Wirt des benachbarten Gasthauses seine Bierbänke bis direkt vor die Kirche gestellt hat. Dort ist die Aussicht am schönsten. Mike Lohmann bewirtschaftet die Einkehr in dem früheren Propsteigebäude erst seit vergangenem Herbst. Dazu gehört auch die Schlüsselgewalt über die Kapelle. Wenn er Zeit hat, lässt der Wirt die Besucher auch durch das Absperrgitter ins Innere der mehr als 700 Jahre alten Kirche.

Wallfahrer finden nur noch selten auf den Petersberg. Alle zwei Jahre kommen Volksmusikanten aus der Umgebung, ein Pestgelübde 1624 hält die Rochuswallfahrt dreier Dörfer am Leben. Umso begehrter ist die Kapelle bei Hochzeitspaaren. Allerdings müssen diese und ihre Gäste gut zu Fuß sein, denn Pfarrer und Wirt achten darauf, dass nicht zu viele Autos den gefährlich steilen Forstweg befahren. Einmal im Monat feiert Steinberger eine Sonntagsmesse. Wer sich das Datum nicht merken kann, schaut am besten am Vorabend aus dem Tal nach oben. Da wird die Kapelle angestrahlt.

Gar nicht so einfach zu fotografieren ist die auf einem Felsgrat, hoch über der Tiroler Ache bei Schleching gelegene Streichenkirche. Für die beste Perspektive muss man sich auf die Kuhweide der Bäckeralm begeben. Dann gibt die Kampenwand mit ihrer langgestreckten Zackenkrone den perfekten Hintergrund ab. Die Kapelle ist ein uralter Wallfahrtsort, an dem Bauern bis weit in die Barockzeit hinein den Wettersegen zu erlangen suchten. Der Innenraum überwältigt den Besucher mit seinen bunten spätgotischen Fresken.

Eine kuriose Seltenheit bietet der rechte Seitenaltar. Dort macht ein blond gelockter Jesusknabe in der Obhut seiner Großmutter Anna und der heiligen Helena in einem hölzernen Gestell auf Rädern erste Gehversuche. Die Streichenkirche lässt sich von einem Wanderparkplatz in einer Viertelstunde gut erreichen, es gibt aber auch längere Wanderwege. Stärken kann sich der Besucher beim Streichenwirt im einstigen Küsterhaus unterhalb der Kirche, wo auch der Schlüssel für die Kapelle verwahrt wird.

Nur wenige Kilometer südlich zwängt sich die Tiroler Ache durch die Entenlochklamm. Auf einer Hängebrücke kann man den reißenden Fluss trockenen Fußes überqueren. Nach kurzem Aufstieg stößt man auf einen merkwürdigen, rund zehn Meter hohen gespaltenen Felsklotz. Vom „geklobenen Stein“ hat Klobenstein seinen Namen.

Der Legende nach soll eine Frau hier vor dem sicheren Tod bewahrt worden sein. Als sie einen vom Berg herabstürzenden Brocken auf sich zufliegen sah, schickte sie ein Stoßgebet zur Gottesmutter in den Himmel. Da brach der Block in der Mitte entzwei, bevor er sie traf. Jedenfalls gab es seit alter Zeit ein Marienbild an dem Stein, das von den Menschen der Umgebung sehr verehrt wurde. Die Kirche oberhalb ist jüngeren Datums und ebenfalls wie Birkenstein nach dem Vorbild von Loreto gestaltet. In einer Lourdeskapelle nebenan entspringt eine Quelle, die als heilkräftig gilt.

Gottesdienste finden jeden Samstag um 9 Uhr statt. In der früheren Einsiedelei unterhalb des Klobensteins befindet sich heute ein gemütliches Gasthaus, dessen Stuben nachts nur durch Kerzenlicht erhellt werden. Es lockt die Hungrigen mit Flusskrebsen und an Wochenenden mit bayerischer Bio-Ente.

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Liturgie der Woche

Gebetsanliegen des Heiligen Vaters im Monat September

– Für die Menschen in unterentwickelten Ländern: Die Verkündigung des Evangeliums befähige sie zu einem glaubwürdigen Einsatz für den menschlichen Fortschritt.

– Für die Menschen in den Kriegsgebieten: Unsere in Liebe offenen Herzen mögen dazu beitragen, die Kämpfe und das Blutvergießen zu überwinden.

 Sonntag, 29. August, 22. Sonntag im Jahreskreis – Sir 3,17-18.20.28-29, Hebr 12,18-19.22-24a; Lk 14,1.7-14 – Namenstag: Sabina 

Montag, 30. August – 1 Kor 2,1-5; Lk 4,16-30 – Namenstage: Heribert, Felix, Rebekka 

Dienstag, 31. August, Hl. Paulinus (Bischof von Trier, Märtyrer) – 1 Kor 2,10b-16; Lk 4,31-37, vom hl. Paulinus (1 Joh 5,1-5; Mt 10,22-25a) – Namenstage: Paulinus, Raimund 

Mittwoch, 1. September – 1 Kor 3,1-9; Lk 4,38-44 – Namenstage: Ägidius, Ruth, Verena 

Donnerstag, 2. September – Monatlicher Gebetstag um geistliche Berufe – 1 Kor 3,18-23; Lk 5,1-11 – Namenstage: Ingrid, René, Salomon 

Freitag, 3. September, Hl. Gregor der Große (Papst, Kirchenlehrer) – 1 Kor 4,1-5; Lk 5,33-39 (2 Kor 4,1-2.5-7; Lk 22,24-30) – Namenstage: Gregor, Sophie, Silvia 

Samstag, 4. September, Hl. Ida von Herzfeld (Witwe), Marien-Samstag – 1 Kor 4,6b-15; Lk 6,1-5, von der hl. Ida (Jdt 8,2-8; Lk 10,38-42) – Namenstage: Ida von Herzfeld, Suitbert, Irmgard, Rosalie, Iris 

Sonntag, 5. September, 23. Sonntag im Jahreskreis – Weish 9,13-19, Phlm 9b-10.12-17; Lk 14,25-33 – Namenstage: Roswitha, Maria v.d.A., Mutter Teresa

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„Klostertagung“ in Münster öffnet den Blick für karitativ tätige Kongregationen

Ordensgeschichte wurde lebendig

In Münster fand die diesjährige „Klostertagung“ statt.

Erzbistum/Münster. In Zeiten gesellschaftlichen Wandels sind neue Ideen gefragt. Vor gut vier Jahren rief der emeritierte Professor für Bistumsgeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn, Karl Hengst, in Abstimmung mit der Paderborner Bistumsleitung eine „Forschungsstelle Bistumsgeschichte“ ins Leben, um die bistumsgeschichtlichen Aktivitäten aufzugreifen und neu zu bündeln. Der Lehrstuhl konnte zeitbedingt nicht wieder besetzt werden. 

von Peter Häger  

Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben führt diese Forschungsstelle in Kooperation mit der „Historischen Kommission für Westfalen“ die seit dem Jahr 2000 bestehende Einrichtung der „Klostertagungen“ fort. Alljährlich im Sommer werden bis zu 150 Fachleute und geschichtlich Interessierte an wechselnden historischen Orten vornehmlich des Hochstifts Paderborn, aber auch weiterer Regionen des Erzbistums Paderborn mit der Geschichte der reichen westfälischen Klosterlandschaft vertraut gemacht.

Hatten bisherige Zusammenkünfte in erster Linie die „alten“, zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Säkularisation aufgehobenen Klöster und Abteien – wie Dalheim oder Hardehausen – zum Thema, so will die in diesem Jahr beginnende „3. Staffel“ der Tagungsreihe unter dem Titel: „Neue Klosterwelten in Westfalen und Lippe. Veränderungen und Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert“ die jüngeren, vielen noch aus dem alltäglichen Leben vertrauten Kongregationen beleuchten. Schulen, Krankenhäuser oder auch „Kinderbewahranstalten“ waren in den katholischen Gebieten Westfalens bis in die jüngste Vergangenheit hinein ohne Ordensschwestern und -brüder schlichtweg nicht zu denken.

In diesem Jahr hatten sich, nun in einem Nachbarbistum, etwa 80 Teilnehmer in den weitläufigen Anlagen des Mutterhauses der „Mauritzer Franziskanerinnen“ in Münster eingefunden, um sich über Entstehung, Werdegang und heutiges Wirken von drei karitativ tätigen Kongregationen zu informieren.

Neben den erwähnten Franziskanerinnen hatten die Veranstalter noch die „Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern“, die umgangssprachlich nach ihrem Ordensstifter Clemens August Freiherr Droste zu Vischering Clemensschwestern genannt werden, sowie die im 15. Jahrhundert im Rheinland gegründeten Alexianer ausgewählt. Zum ersten Mal zeichnete für die diesjährige Tagung auch der Westfälische Heimatbund mitverantwortlich. Als Tagungsleiter begrüßte Professor Hengst die zahlreich Erschienenen, dankte den Franziskanerinnen für die Gastfreundschaft und betonte die Wichtigkeit der Pflege und Bewahrung kirchlichen Herkommens in heutiger Zeit. Die Provinzoberin der Mauritzer Franziskanerinnen, Sr. Birgitte Hermann, zeigte sich namens ihrer Kongregation in ihrem Grußwort über die gute Resonanz, die die Tagung gefunden hatte, erfreut. Sie schilderte das gastgebende Mutterhaus als „ein mächtiges Gebäude, aber zugleich auch als ein lebendiges Kloster“, das nicht zuletzt als eine Art Begegnungshaus für unterschiedlichste Bevölkerungsschichten, national und international, diene.

Der erste Vortrag von Sr. Marianne Kamlage bot eine gelungene Zusammenschau der spirituellen Grundlagen und historischen Entwicklungen der Mauritzer Franziskanerinnen. Ausgehend von der Armutsbewegung des Franz von Assisi verdeutlichte sie die Beweggründe, die im von bitterer Armut gezeichneten frühen 19. Jahrhundert zur Gründung der Kongregation geführt hatten. Noch heute, in einer gewandelten gesellschaftlichen Situation, sieht sich die Kongregation mit der Pflege von Armen und Kranken in der Tradition der Gründer.

Im zweiten Vortrag des Tages zeichnete Sr. Elisabethis Lenfers aus der „Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern“ detailgetreu die mit dem Jahr 1808 beginnende Gründungszeit und die darauf folgende Entfaltung der Clemensschwestern über Westfalen hinaus nach. Die punktuelle Auswertung von Ordensarchivalien ermöglichten der Referentin eine für den Zuhörer faszinierende Einbindung der Ordensgeschichte in die Profangeschichte der letzten gut zweihundert Jahre.

Am Nachmittag fand ein Ortswechsel statt. In Amelsbüren bei Münster machten sich die Tagungsteilnehmer über die Spezifika eines psychiatrischen Fachkrankenhauses in Trägerschaft des Alexianer-Ordens kundig. Nach allgemeinen Ausführungen zur Geschichte und karitativen Ausrichtung des Ordens durch Br. Benedikt erläuterte der Geschäftsführer des Alexianer-Krankenhauses, Stephan Dransfeld, anschaulich die aktuelle Situation des Fachkrankenhauses, die auch durch Probleme, wie etwa das Misstrauen in der Nachbarschaft, gekennzeichnet ist. Mit einer Einladung zur nächstjährigen Tagung in Bielefeld mit Stationen in den dortigen Diakonissenanstalten sowie im Kloster der Ursulinen endete die Veranstaltung.

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03.09.2010
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